Hören Sie mir zu!

Dass aktives Zuhören eine Grundvoraussetzung für ein gutes Gespräch darstellt, habe ich bereits hier erläutert. Aber was genau versteht man unter aktivem Zuhören, und wie kann es gelingen?

Für mich ist aktives Zuhören ein bewusstes Zuhören.

pxb_zuhoeren

Aktives Zuhören beugt Missverständnisse vor

Ich kenne es ja von mir selbst: Aktives Zuhören fällt nicht immer leicht. Viele Einflussfaktoren spielen dabei eine Rolle. Um nur einige zu nennen: bei Müdigkeit fällt es schwer, sich auf ein Gespräch bzw. auf den Gesprächspartner zu konzentrieren. Weitere Faktoren: das Interesse für den Gesprächsstoff, für den Gesprächspartner, die Tagesverfassung etc.

Wenn ich während des Gesprächs mit meinen Gedanken irgendwo anders bin, nur mit einem Ohr zuhöre – dann ist das kein aktives Zuhören, eben kein bewusstes Hinhören. Nun zum zweiten Teil der eingangs gestellten Frage:

Wie kann aktives Zuhören gelingen?

Nehmen wir an, Sie führen mit mir ein Gespräch und ich wünsche mir von Ihnen ein aktives Zuhören. Wie Sie mir das vermitteln können? Indem Sie …

  • mir mit Ihrem Blickkontakt Interesse signalisieren. Es muss nicht ein permanenter Blickkontakt sein. Ich möchte aber nicht, dass Ihre Blicke durch den Raum schweifen oder zu anderen Personen – das zeigt mir deutlich, dass Sie nicht bei der Sache sind, Ihr Interesse nicht bei mir ist.
  • sich nicht ablenken lassen. Auch wenn sich in unserem direkten Umfeld andere Menschen aufhalten, zeugt es von Interesse, wenn Ihre Aufmerksamkeit bei unserem Gespräch bleibt.
  • sich mir mit einer „offenen Körperhaltung“ zuwenden. Also nicht auf Distanz gehen, keine abweisende, vielleicht sogar konfliktbereite oder gelangweilte Körperhaltung einnehmen. Allein durch die Körperhaltung kann eine spannungsgeladene, konfliktreiche Gesprächsatmosphäre erzeugt werden.
  • mich ausreden lassen. Permanente Unterbrechungen wirken besserwisserisch und vermitteln geringe Wertschätzung dem Gesprächspartner gegenüber. Natürlich möchte ich auch Ihre Meinung wissen, auch Gegenargumente sind willkommen.
  • mir Ihr aufrichtiges Interesse kundtun. Das gelingt zum einen durch einen aufmerksamen Blickkontakt und zum anderen durch Rückmeldungen, Rückfragen, kurze Zustimmungen und durch Nicken. Dieses Interesse fördert auch die Vertrauensbasis.
  • mir bestätigen, dass Sie verstanden haben, was ich Ihnen mitteilen und vermitteln will. Dafür eignen sich vor allem Wiederholungen der wesentlichen Aussagen bzw. Rückfragen: „Sie meinen also …“ oder „Wenn ich Sie richtig verstehe, dann …“
  • mir gegenüber Wertschätzung vermitteln. Nicht jedes Gespräch ist frei von Meinungsverschiedenheiten – soll es auch nicht sein. Auch wenn wir kontroverser Meinung sind, sollte das nie in beleidigenden Worten kommuniziert werden. Man kann auch streiten und gleichzeitig dem anderen gegenüber Wertschätzung und Respekt zollen – beste Voraussetzungen für ein konstruktives Streitgespräch.
  • zu mir freundlich und höflich sind – auch Grundvoraussetzungen für eine vertrauensvolle Gesprächsbasis.
  • meine Gefühle nachvollziehen können oder es zumindest versuchen. Wenn ich Ihnen beispielsweise von einem ärgerlichen Vorkommnis erzähle, zeigen Sie Verständnis für mein Gefühl, indem Sie mir beispielsweise mitteilen: „So etwas würde mich auch sehr ärgern …“

Damit signalisieren Sie mir aktives – also bewusstes – Zuhören. Und natürlich können und sollen Sie das auch von mir verlangen. Denn ein bereicherndes Gespräch verlangt aktives Zuhören von allen Beteiligten.

Zum Weiterlesen:



Kommentare

Diesen Artikel kommentieren

Bitte die Kommentarregeln berücksichtigen. Danke!