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Lassen Sie Ihr Kind weinen - oder: Trösten bedeutet, da zu sein

Gastbeitrag von Dr. Priska Heidenberger, Kindergartenpädagogin und Kinderbuchautorin: Wenn Kinder hinfallen und sich verletzen, dann reagieren viele Erwachsene mit Ablenkung oder Beschwichtigung. Ich habe dies kürzlich bei Freunden erlebt, mit denen ich im Straßencafé saß. Sie hatten ihre eineinhalbjährige Tochter dabei. Während wir plauderten, erkundete Laura die Nachbartische und stieß mit ihrem Kopf an den Tisch und weinte. Ihr Vater ging zu ihr, hob sie auf und sagte: „Nicht weinen Laura, ist ja nichts passiert, ist überhaupt nicht schlimm.“ So wie Lauras Vater reagierte, reagieren viele Eltern. Das ist verständlich. Jeder will sein Kind trösten.
Aber trösten bedeutet nicht, das Kind vom Schmerz ablenken. Trösten bedeutet, beim Kind zu sein, wenn es Schmerzen hat.
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„Tränen, die nach außen fließen, bringen die Augen wieder zum Leuchten.“


Was passiert, wenn wir auf die Schmerzen mit Ablenkung reagieren?

Die Kinder verlernen, ihrem Körpergefühl zu vertrauen. Sie wissen nicht mehr, wem sie trauen sollen – am genannten Beispiel: dem Körper, der schmerzt oder dem Vater, der ihm einredet, dass nichts passiert ist? Sie dürfen nie vergessen: Ihr Kind ist abhängig von Ihrer Liebe. Es braucht Ihre Liebe wie die Luft zum Atmen. Eher verleugnen Kinder ihr Körpergefühl, als Ihre Liebe zu verlieren.

Was tun, wenn Ihr Kind weint?

Haben Sie Verständnis für die Schmerzen Ihres Kindes. Verzichten Sie auf jedes Wegleugnen und Ablenken.
Nehmen Sie es auf den Schoß oder halten Sie es in den Armen. Sagen Sie beispielsweise: „Oje, du bist mit deinem Kopf an den Tisch gestoßen. Komm, ich nehme dich in den Arm, bis es dir wieder besser geht.“ Streicheln Sie mit Ihrer Hand über die schmerzende Stelle oder sprechen Sie einen Genesungsspruch: „Heile, heile Segen, morgen gibt es Regen, übermorgen Schnee und dann tut es nicht mehr weh“ oder blasen Sie auf die schmerzende Stelle. Ihre Zuwendung ist der beste Garant für die Schmerzlinderung.

Zuneigung ist der beste Trost

Noch etwas, das Sie in diesem Zusammenhang wissen sollten:
Wenn Ihr Kind weint, dann lassen Sie es weinen.
Ich meine damit nicht, dass Sie sich nicht um Ihr Kind kümmern sollen. Ich meine damit, dass Sie das Weinen o. k. finden sollen. Vermitteln Sie dem Kind, dass es in Ordnung ist, wenn es weint. Verzichten Sie auf Sätze wie „Nicht weinen, ist ja nichts passiert.“ Weinen tut gut. Es reinigt die Seele.
Tränen, die nach außen fließen, bringen die Augen wieder zum Leuchten. Tränen, die nach innen fließen „graben Löcher in den Magen“.
Wenn Sie Ihrem Kind das Weinen zugestehen, dann fühlt es sich in seinem Schmerz und in seiner Trauer angenommen. Es fühlt sich von Ihnen behütet und beschützt. Dies gilt für Mädchen und Buben gleichermaßen.

Auch Jungs wollen getröstet werden

Auch Jungs wollen weinen (dürfen). Verzichten Sie auf Sprüche wie „Männer weinen nicht“ oder „Ein Indianer kennt keinen Schmerz“. Auch Jungs spüren Schmerzen. Sie wollen gehalten, umarmt und getröstet werden.
Jungs, deren Gefühle im Kindesalter respektiert werden, trauen sich auch als Erwachsene Gefühle zu zeigen.
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