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Beleidigungen, Kränkungen & Verletzungen: Wie damit umgehen? Wie reagieren?

Wohl niemand von uns, der nicht schon einmal beleidigt oder gekränkt worden wäre. Niemand! Ob im Unternehmen am Arbeitsplatz durch Vorgesetzte oder Kollegen, im privaten Umfeld von Bekannten, Familienmitgliedern, Partner oder Partnerin. Wie sehr eine Beleidigung oder Kränkung Sie verletzt – und das tut sie in der Regel immer –, hängt auch davon ab, inwieweit Sie es zulassen. Aber auch von anderen Faktoren, auf die Sie selbst kaum Einfluss haben. Aber der Reihe nach.

Auch Beschimpfungen verletzen und beleidigen ...

(Bild: Fotolia©Jr Casas)

Jetzt mal die rechtliche Definition (als Tatbestand des Strafrechts) außen vorgelassen – eine allgemeine:
Eine Beleidigung ist eine verbale Äußerung, ein Verhalten und/oder eine Geste, mit der jemand eine andere Person bewusst oder unbewusst verletzt bzw. herabwürdigt.
Ebenfalls eine Form der Beleidigung: Beschimpfungen, Häme, Hohn und Spott. Wie der Begriff „BeLEIDigung“ bereits vermittelt, kann damit jemandem Leid zugefügt werden.

Beleidigung ist nicht gleich Beleidigung: 6 Unterscheidungen

Nun gilt es meiner Meinung nach, bei Beleidigungen zu differenzieren, denn dadurch lässt sich leichter angemessen reagieren bzw. mit der Kränkung umgehen.

Differenzierung 1: Absichtliche oder unbewusste Beleidigung

Wurden Sie mit voller Absicht beleidigt oder war es ungewollt?

Unbewusste Kränkung

Oft ist schnell mal was dahingesagt. Dass die Person durch ihre unbedachte Wortwahl, Aussage oder Handlung Sie beleidigt hat, ist ihr vielleicht gar nicht bewusst, auch deshalb, weil es gar nicht die Absicht war, Sie zu kränken. Oder es fehlt der Person einfach an entsprechender Empathie. Dem gegenüber steht die bewusste Beleidigung:

Absichtliche Kränkung

In diesem Fall will man Sie durch eine verbale Attacke oder ein Verhalten ganz bewusst verletzen oder demütigen. Die Frage ist: Warum? Was will der Beleidiger genau bezwecken?

Was steckt dahinter? Mögliche Gründe für eine Beleidigung

Um nur einige Beweggründe zu nennen: Die beleidigende Person Es gibt zahlreiche weitere mögliche Motive wie etwa Neid, Eifersucht, Unzufriedenheit mit sich selbst, ... Aber in der Regel sind es die gleichen, die Personen auch veranlassen, andere Menschen runterzumachen. Hier habe ich die häufigsten aufgelistet, die auch Beweggründe für Beleidigungen sein können:

» Warum Menschen andere schlechtmachen – 10 Gründe

Differenzierung 2: Auch möglich: Die Beleidigung hat nichts mit Ihnen zu tun

Die beleidigende Person steckt selbst in einer belastenden Ausnahmesituation, etwa weil sie vor Kurzem von ihrem Partner bzw. ihrer Partnerin verlassen, ihr Job gekündigt wurde, einen geliebten Menschen verloren hat, gesundheitlich angeschlagen ist – und durch diese psychische Überforderung unangemessen reagiert hat. Dann hat die Beleidigung weniger etwas mit Ihnen persönlich zu tun, sondern hätte wahrscheinlich jede andere Person auch treffen können. Sie waren einfach zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort. Dass man bei schlechter Laune oder in einer belastenden Situation oft unangemessen reagiert, kennt man wahrscheinlich auch von sich selbst.

Differenzierung 3: Wer beleidigt mich? „Schmerzempfinden“ von der Person abhängig

Eine weitere Differenzierung besteht in der Person, die Sie beleidigt hat. Ist es ein vertrauter oder ein Ihnen unbekannter Mensch?

Eine Ihnen vertraute Person

Werden Sie von einer Ihnen bekannten Person beleidigt, „schmerzt“ das immer mehr als von einer, der Sie nicht nahestehen.
Je enger die Beziehung, desto größer wird die wahrgenommene Verletzung sein und desto länger wird die Kränkung nachwirken und werden die Wunden zum Heilen benötigen.

Eine unbekannte Person

Erfolgt die beleidigende Handlung oder Äußerung hingegen von einer Person, die Sie nicht näher kennen – beispielsweise eine unflätige Geste oder Beschimpfung im Straßenverkehr –, wird diese Beleidigung Sie wahrscheinlich weitaus weniger berühren als durch eine vertraute Person. Immens ärgern ja, aber tief verletzen wohl eher nicht.

Differenzierung 4: Ausrutscher oder Wiederholung?

In der „Bewertung“ der Beleidigung sollte auch berücksichtigt werden, ob es von der jeweiligen Person ein einmaliger Ausrutscher oder eine Wiederholung war.

Situationsbedingter Ausrutscher

In einem Streit oder einer Diskussion gehen die Wogen hoch, Emotionen schaukeln sich auf und schon kommen einem in der Hitze des verbalen Gefechts Worte über die Lippen, die man so niemals sagen wollte und die man schon Millisekunden später bereut. Bei so einem Ausrutscher fällt das Verzeihen in der Regel leichter als bei „Wiederholungstätern“.

Wiederholende Beleidigungen

Wenn Sie von ein und derselben Person immer wieder beleidigt und verletzt werden, dann sollten Sie die Gründe hierfür nicht bei sich suchen, sondern immer bei der beleidigenden Person, ihre Motive hinterfragen und dann entsprechend reagieren. Werfen Sie hierfür nochmals einen Blick auf die möglichen Motive, die ich oben unter „Differenzierung 1| Mögliche Gründe für eine Beleidigung“ genannt habe.

Differenzierung 5: Ist es tatsächlich eine Beleidigung?

Was durchaus auch vorkommen kann: Jemand sagt zu Ihnen etwas, das Sie als verletzend empfinden. Aber nur Sie. Der Person ist diese Beleidigung gar nicht bewusst, auch dritte Personen empfinden die Worte nicht als verletzend. Das kann dann daran liegen, dass Sie die getätigte Aussage aufgrund Ihrer persönlichen Vorgeschichte, Ihrer Werte und Prinzipien oder aufgrund von Unsicherheit und geringem Selbstbewusstsein als ungut wahrnehmen. Die Person hält Ihnen durch ihre Aussage quasi einen Spiegel vor, der Ihnen Ihre wunden Punkte vor Augen führt. Mit folgenden drei Reflexionsfragen können Sie Ihrem eigenen Empfinden auf den Grund gehen:
  1. „Warum trifft mich diese Aussage/Handlung so sehr?“
  2. „Was genau hat mich daran verletzt und warum nehmen die anderen es nicht als Beleidigung wahr?“
  3. „Warum nagt es an meinem Selbstbewusstsein?“ (Vielleicht liegt es an einem geringen Selbstwertgefühl.)

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Differenzierung 6: Andere Länder, andere Sitten

Länderspezifische und kulturelle Unterschiede will ich der Vollständigkeit halber hier auch kurz erwähnen. So kann etwa eine Geste, die in unseren Breitengraden als „normal“ wahrgenommen wird, in einem anderen Land oder Kulturkreis als Affront empfunden werden.

Wie mit einer Beleidigung umgehen? 8 Reaktionen

Grundsätzlich gilt: Wenn man den Grund bzw. die Motivation hinter einer Beleidigung erkennt, lässt sich gezielter darauf reagieren bzw. besser damit umgehen.
Nach der Differenzierung von Beleidigungen nun zu deren Umgang. Abhängig von der Art der Kränkung können unterschiedliche Reaktionen angemessen sein. Mögliche Reaktionen auf Beleidigungen/Kränkungen:

1. Ignorieren

Werden Sie mit voller Absicht gekränkt, so erwartet oder erhofft sich die Person eine Reaktion von Ihnen. Womit sie nicht rechnet: dass ihre Beleidigung ignoriert wird. Durch das Ignorieren oder die offen zur Schau gestellte Gleichgültigkeit reduzieren Sie die Angriffsfläche, schränken die Machtposition der Beleidiger ein und gewähren ihnen nicht die erwartete Genugtuung – ähnlich wie Ihnen jemand den Ball zuwirft, und Sie weichen einfach aus, lassen ihn davonrollen, ohne sich weiter darum zu kümmern. Alles andere als befriedigend für den Ballwerfer. Der Beleidiger ist beleidigt!

2. Kontern

Das Ziel von Beleidigungen sind oft Personen, von denen keine Gegenwehr zu erwarten ist, die in ihrem Verhalten und ihrer Körpersprache eine Opferhaltung einnehmen und sich dadurch noch angreifbarer machen. Wehren sich und kontern diese vermeintlichen „Opfer“, sind die verbalen Angreifer irritiert.

Tipp:

Um sich gegen verbale Attacken zu wappnen und sicher zu kontern, können Sie Affront-Situationen mit einer Ihnen vertrauten Person durchspielen – ähnlich wie Rettungskräfte Extremsituationen immer und immer wieder üben, um dann sicher und souverän zu agieren. Üben Sie im Rollenspiel mögliche Antworten auf dumme Sprüche und beleidigende Bemerkungen. Kontern Sie mit fester Stimme in aufrechter Haltung und selbstbewusster Körpersprache. Einige Kontersätze zum Üben habe ich weiter unten zusammengestellt.

3. Lachen/Humor

Auch eine Form des Konterns: Ein Lachen wirkt wie ein Abwehrschild gegenüber einer absichtlichen Beleidigung, denn die Person erwartet sich als Reaktion mit Sicherheit kein Lachen und ist wohl erst einmal irritiert. Und Sie werden durch den verbalen Angriff nicht in eine Abwehrstellung gedrängt. Auch mit einer humorigen, schlagfertigen Antwort können Sie eine angespannte Konfliktsituation entspannen.

4. Grenzen aufzeigen

Kommunizieren Sie ganz deutlich Ihre Grenzen, wenn der beleidigenden Person nicht bewusst ist, dass sie diese überschritten und Sie verletzt hat. Ähnlich wie bei Kindern, die Grenzen ausloten, oft klar kommuniziert werden muss: „Bis hierher und nicht weiter!“ Erst dann kennen sie diese Grenzen und werden sie zukünftig (hoffentlich) akzeptieren.

5. (Übertriebene) Freundlichkeit

Noch eine Reaktion, die von Beleidigern eher nicht erwartet wird: Freundlichkeit. Und je ausfallender die verbale Attacke, desto (aufgesetzt) freundlicher und ruhiger Ihre Reaktion.

6. Distanzieren

Oft kann die beste Reaktion darin liegen, auf Distanz zu gehen. Den Raum verlassen oder generell den Kontakt bzw. die gemeinsame Zeit soweit wie möglich einschränken, um so keine weitere offene Angriffsfläche für Verletzungen und Beleidigungen zu bieten.
Denn man sollte sich zugestehen, gehen zu dürfen, wenn einem das Bleiben nicht guttut.

7. Schriftlich reagieren

In der erhitzten Situation fällt es oft schwer, die richtigen Worte zu finden und angemessen zu kontern. Oft bietet sich die Möglichkeit, mit etwas Abstand in einem Schreiben zu reagieren und darin die eigenen Gefühle kundzutun sowie die passenden Worte zu finden. So ein Schreiben kann richtig befreiend wirken.

8. Verzeihen

Es kommt natürlich immer auf die Umstände und das „Maß“ der Beleidigung an. Vielleicht liegt in der gemachten Aussage sogar ein kleines Stück Wahrheit. Dann ist man eher bereit, zu verzeihen. Und das Verzeihen selbst erleichtert das Loslassen.

Fazit:

Welche Reaktion angemessen ist, hängt von der Form und dem Ausmaß der Beleidigung, von der Situation, von der jeweiligen Person, von Ihrem Verhältnis zu dieser Person und letztlich von Ihrer Persönlichkeit ab. Wie auch immer Sie auf die Kränkung reagiert haben, akzeptieren Sie Ihre Reaktion, gestehen Sie sich Ihre Gefühle zu. Machen Sie sich keine Selbstvorwürfe, haben Sie keine Scham. Sie haben immer die Möglichkeit, bei der nächsten Beleidigung anders zu reagieren.

22 allgemeine Kontersätze auf Beleidigungen

Im Folgenden noch allgemeine Kontersätze. Prägen Sie sich Ihre Favoriten ein, um Sie dann bei Bedarf – z. B. bei Beschimpfungen – schlagfertig parat zu haben.
Allerdings gilt es, die Antwort mit Bedacht zu wählen, denn je nach Situation und Person kann sie deeskalierend, aber auch eskalierend wirken.
Siezen Sie die Person, ersetzen Sie einfach die Du- durch die Sie-Anrede.
  1. „Ich würde dir ja gern recht geben, aber dann haben wir beide Unrecht .“
  2. „Das ist deine Meinung. Man kann das so sehen, oder auch nicht. Ich sehe das ganz anders.“
  3. „Ich werde darüber nachdenken und gebe dir dann Bescheid.“ … „Auch darüber werde ich nachdenken und dir dann Bescheid geben.“ … „Aha, noch etwas zum Nachdenken.“ …
  4. „Stimmt zum Teil. Zu einem kleinen Teil. Zu einem winzigen Teil. Der Rest stimmt nicht.“
  5. „So offen warst du mir gegenüber noch nie!“
  6. „Sprich ruhig weiter, lass es raus. Das tut gut.“
  7. „Entschuldigung, jetzt musste ich fast/kurz/wirklich lachen.“
  8. „Wenn ich du wäre, dann wäre ich lieber ich.“
  9. „Fühlst du dich besser, wenn du andere so beleidigst?“
  10. „Formuliere das bitte sachlich, ohne zu beleidigen. Dann höre ich dir zu.“
  11. „Ich habe dich durchschaut. In deinem Inneren bist du unsicher und willst besser dastehen, indem du mich/andere schlecht machst!“
  12. „Seltsam, was du von dir gibst. Erklär mir bitte doch, warum du mich absichtlich beleidigst.“
  13. „Ich empfinde … als verletzend. Was genau willst du damit bezwecken?“
  14. „Kannst du das konkretisieren/konkrete Beispiele nennen?“
  15. „Kannst du das mit anderen Worten erklären/sagen?“
  16. „Das ist dein Problem, nicht meines.“
  17. „Ich habe das nicht verstanden. Was genau willst du mir damit sagen?“
  18. „Ich höre dich sehr gut, aber ich verstehe dich leider überhaupt nicht.“
  19. „Wenn es dir dann besser geht, gebe ich dir gern recht.“
  20. „Um das beurteilen zu können, müsste es mich interessieren.“
  21. „Ich könnte jetzt darauf ausführlich antworten, aber dazu habe ich jetzt weder Zeit noch Lust.“
  22. „Ich bin mir zu wertvoll, um mich mit deinen Beleidigungen auseinanderzusetzen.“

Eine Geschichte: Heute hat mir mein Freund ins Gesicht geschlagen

Abschließend noch eine Geschichte, die mir sehr gefällt. Sie handelt von Beleidigung und Verzeihen: Zwei Freunde schleppten sich durch die Wüste. Plötzlich gerieten sie in einen heftigen Streit. Dabei schlug der eine dem anderen im Zorn ins Gesicht. Ohne ein Wort zu sagen, kniete der Geschlagene nieder und schrieb folgende Worte in den Sand: „Heute hat mir mein Freund ins Gesicht geschlagen.“ Dann wanderten sie schweigend weiter, bis sie zu einer Oase kamen. Sie beschlossen, in den Teich zu springen. Der Freund, der geschlagen worden war, blieb plötzlich im Schlamm stecken und drohte zu ertrinken. Sein Freund rettete ihn in letzter Minute. Nachdem sich jener, der beinahe ertrunken war, erholt hatte, nahm er einen Stein und ritzte in diesen folgende Worte: „Heute hat mir mein bester Freund das Leben gerettet." Der Freund, der den anderen geschlagen und auch gerettet hatte, fragte erstaunt: „Als ich dich gekränkt hatte, hast du deinen Satz nur in den Sand geschrieben, aber nun ritzt du die Worte in einen Stein. Warum schreibst du diese Worte nicht auch hier in den Sand?" Der andere antwortete ihm:
„Wenn uns jemand kränkt oder beleidigt, sollten wir es in den Sand schreiben, damit der Wind des Verzeihens es wieder löschen kann. Aber wenn jemand etwas tut, was für uns gut ist, dann können wir das in einen Stein gravieren, damit kein Wind es jemals löschen kann."
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