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INTUITION: „Hallo Bauchgefühl, was sagst du?“

Gleich eine Frage vorweg: Vertrauen Sie Ihrer Intuition und handeln Sie häufig intuitiv? (Sie können statt Intuition auch die Begriffe Bauchgefühl, innere Stimme, sechster Sinn oder innerer Kompass einsetzen, die häufig synonym verwendet werden.)

Wenn die Intuition etwas anderes sagt als der Verstand ...


5 Situationen, die Sie wahrscheinlich kennen

Wenn Sie die Eingangsfrage bejahen können, dann kennen Sie wahrscheinlich folgende Situationen:
  1. Sie treffen eine Entscheidung wider Ihr Bauchgefühl. Im Nachhinein wird deutlich, dass die Entscheidung falsch war und Sie Ihrem Bauchgefühl hätten vertrauen sollen.
  2. Sie haben in einer Situation gut und richtig gehandelt, können aber nicht genau erklären, warum Sie genau so und nicht anders dabei vorgegangen sind.
  3. Beim ersten Treffen mit einer Person löst diese in Ihnen ein Gefühl aus (ob positiv oder negativ), ohne dass es offensichtliche Gründe dafür gibt. Später – oft auch erst nach langer Zeit – stellen Sie fest, dass Sie mit Ihrem Gefühl vollkommen richtig lagen.
  4. Sie haben eine außergewöhnliche Idee, eine verheißungsvolle Eingebung, und sind selbst erstaunt, wie Sie überhaupt darauf kommen konnten.
  5. Ein „komisches Gefühl“ hält Sie von einer Handlung ab, ohne dass Sie es rational begründen können. Später stellt sich heraus, dass diese warnende Vorahnung völlig berechtigt war.

Aber was ist überhaupt Intuition?

Zuerst zum Begriff selbst: Intuition kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „anschauen“ oder „genau hinsehen“ – im übertragenen Sinne können Sie daraus auch „genau (in sich) HINEINsehen“ oder „genau nach innen sehen“ ableiten.
Etwas vereinfacht dargestellt, ist die Intuition ein individueller UNBEWUSSTER Wissensspeicher, der Informationen und Erfahrungen beinhaltet, die ein Mensch in seinem bisherigen Leben gesammelt hat.
Für William James Mayo, US-amerikanischer Chirurg und Mitgründer der renommierten Mayo Clinic, ist die Intuition das „instinktive Zusammenfassen von Erinnerungen und anderen Beweismaterialien, von den fünf Sinnen eingesammelt und vom Bewusstsein korreliert“. Der kanadisch-US-amerikanischer Psychiater Eric Berne hat sich intensiv mit der Intuition befasst. Seine Definition:
Intuition ist das Wissen, das auf Erfahrung beruht und durch direkten Kontakt mit dem Wahrgenommenen erworben wird, ohne dass der intuitiv Wahrnehmende sich oder anderen genau erklären kann, wie er zu der Schlussfolgerung gekommen ist.
Nun unterscheiden sich die (Lebens-)Erfahrungen von Menschen in der Art und im Umfang. Dabei spielen neben dem Alter auch das soziale und das kulturelle Umfeld eine wesentliche Rolle. Deshalb ist auch die Intuition bei den Menschen unterschiedlich ausgeprägt.

Sie nehmen mehr wahr, als Sie vermuten

Um auf diesen unbewussten Wissensspeicher zurückzukommen: In jedem Moment – auch jetzt, wo Sie diesen Text lesen – nehmen Sie weitaus mehr wahr, als Ihnen wahrscheinlich bewusst ist.
Denn Ihr Verstand nimmt nur einen Bruchteil der Informationen auf, die Ihnen Ihre Sinneskanäle permanent liefern.
Die Wissenschaft geht heute davon aus, dass unser Bewusstsein eine Informationsmenge von max. 40 bis 50 Bits pro Sekunde verarbeiten kann (abhängig von diversen Faktoren). Allerdings empfängt unser Gehirn über die Sinneskanäle im gleichen Zeitraum ein Vielfaches an Informationen, und zwar 11 Millionen Bits, wie der Wissenschaftsjournalist Tor Nørretranders in seinem Buch „Spüre die Welt. Die Wissenschaft des Bewusstseins“ schreibt. Diese Unmengen an Informationen gehen größtenteils direkt ins Unterbewusstsein über.

Wie ein kleiner Lichtstrahl in einer dunklen Riesenbibliothek

Damit Sie eine vage Vorstellung von dem gigantischen Schatz an Informationen und Erfahrungen bekommen, auf den Ihre Intuition zugreift: Versetzen Sie sich in eine riesige dunkle Bibliothek, in der Sie mit einer Taschenlampe auf eine Buchseite leuchten. Diese Seite können Sie sich als jenen Punkt vorstellen, den Ihr BEWUSSTSEIN „sieht“:

Sehen Sie den kleinen Lichtstrahl (den gelben Punkt)? Das „sieht“ Ihr BEWUSSTSEIN.

Nun wird über einen Schalter die gesamte Beleuchtung der Riesenbibliothek eingeschaltet. Alle darin befindlichen Bücher sind für Ihr UNTERBEWUSSTSEIN im gleichen Moment sichtbar, während Sie mit der Taschenlampe (Ihrem Bewusstsein) nur eine Buchseite wahrnehmen:

Das nimmt Ihr UNTERBEWUSSTSEIN im gleichen Moment wahr. (Bei genauer Betrachtung sehen Sie noch den Taschenlampenstrahl.)


Die Intuition sendet Ihnen Signale. Geben Sie Acht!

Die Intuition kann Ihnen über Körpersignale oder über Gefühle „Botschaften“ senden – etwa durch ein gutes Gefühl (z. B. Kribbeln im Bauch) oder ein „komisches Gefühl“ im Zusammenhang mit einer Entscheidung, Warnsignale durch ein Ziehen im Bauch, ein bedrückendes Gefühl im Brustbereich, … Sie sollten diese Impulse nicht ignorieren, sondern sie bewusst wahrnehmen und ihnen vertrauen – wie ein Sprichwort besagt:

Achte auf dein Bauchgefühl. Egal wie gut etwas aussieht: Wenn es sich nicht gut anfühlt, geh weiter.


Trainieren Sie Ihre Intuition

Sie können Ihre Intuition schulen und dadurch verbessern. Denn je stärker sie ausgeprägt ist, desto eher wird es Ihnen gelingen,

6 Übungen für einen besseren Kontakt zu Ihrer Intuition

Beim Üben sollten Sie möglichst entspannt sein und sich wohlfühlen (» hier einfache Entspannungsübungen). Dadurch sind Sie sensibler für intuitive Empfindungen.

1. Die Kreuzworträtsel-Übung

Eine Übung, mit der es mir selbst gelingt – nicht immer, aber oft –, bereits vergessen geglaubte Erinnerungen mit den damit verbundenen Gefühlen aus den Tiefen des Unterbewusstseins ins Bewusstsein zu befördern (wie eben auch die Intuition auf Informationen, Muster und Erfahrungswerte aus dem Unterbewusstsein zurückgreift). Und so gehen Sie vor:
  1. Nehmen Sie ein Kreuzworträtsel und einen Stift zur Hand.
  2. Nun beginnen Sie mit einem beliebigen Suchbegriff.
  3. Bevor Sie aber die Buchstaben des gesuchten Worts in die entsprechenden Felder eintragen, denken Sie kurz darüber nach, was Sie mit diesem Begriff assoziieren, woran er Sie erinnert.
  4. Und so gehen Sie mit jedem weiteren Rätselwort vor: Ehe Sie es in die Buchstabenfelder eintragen (falls Sie es wissen), halten Sie kurz inne und denken Sie über den Begriff nach. Was kommt Ihnen dazu spontan in den Sinn?
Sie werden überrascht sein, welche unerwarteten Erinnerungen Ihr Unterbewusstsein dabei zu Tage fördert.

2. „Hallo Bauchgefühl, was sagst (fühlst) du?“

Wenn Sie vor einer Entscheidung stehen, fragen Sie ganz bewusst Ihr Bauchgefühl, bevor Sie über Ihren Verstand sämtliche rationalen Aspekte zur Entscheidungsfindung abrufen. Führen Sie sich die verschiedenen Entscheidungsoptionen vor Augen. Notieren Sie auf einem Blatt Papier die Möglichkeiten und die entsprechenden Empfindungen. In einem weiteren Schritt schreiben Sie bei den jeweiligen Optionen die rationalen Aspekte auf – also „die Stimme Ihres Kopfes“ kommt zu Wort. Sind Ihre Bauchstimme und die Kopfstimme der gleichen Meinung? Je häufiger Sie Ihr Bauchgefühl bei der Entscheidungsfindung einbeziehen, desto besser wird die Verbindung zu Ihrem unbewussten Wissensschatz.

3. Führen Sie Selbstgespräche

Was Selbstgespräche mit Intuition zu tun haben? Damit fassen Sie Aspekte und Erkenntnisse – die Ihnen bisher vielleicht nicht richtig bewusst waren, weil Sie sie als innere Stimme nur intuitiv wahrgenommen haben – in gesprochene Worte. Tragen Sie also hin und wieder Ihre innere Stimme hörbar nach außen, indem Sie laut mit sich selbst sprechen. Das kann in einem abgeschlossenen Raum, unter der Dusche oder auch im Auto bei der Fahrt zur Arbeit sein. Wichtig: Laut einer Studie von Forschern der Universität von Michigan ist ein Selbstgespräch besonders wirkungsvoll, wenn Sie von sich selbst nur namentlich und in der dritten Person sprechen. Beispiel: „Der/die (eigener Vorname) spürt ein angenehmes Kribbeln im unteren Bauchbereich, wenn er sich vorstellt, dass …“

4. Machen Sie Prognosen

Versuchen Sie in alltäglichen Situationen, die weitere Handlung vorauszuahnen. Als Beispiel: Sie beobachten zwei Menschen, die sich begegnen. Wer von beiden wird wohl zuerst grüßen? Oder Sie besuchen eine Veranstaltung mit Teilnehmern, die sich nicht kennen. Wer wird sich in einer Unterhaltung zusammenfinden, welche Gruppen werden sich bilden? In einem Geschäft: Welches Produkt wird eine Person wohl als Nächstes kaufen? Durch diese selbst gestellten Aufgaben lernen Sie, Menschen und Situationen intuitiver wahrzunehmen.

5. Der Bodyscan

Eine Übung, mit der Sie Ihre Körperwahrnehmung fördern: der Bodyscan. Je besser Ihre Körperwahrnehmung, desto empfänglicher sind Sie für intuitive Signale, die Ihnen Ihr Unterbewusstsein sendet. Der Bodyscan ist eine Achtsamkeitsübung, bei der verschiedene Körperregionen gedanklich berührt („gescannt“) werden – also eine Art mentale Reise durch den eigenen Körper.

» Hier eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Bodyscan

» Weitere Achtsamkeitsübungen


6. (Intuitiv) Drauflos schreiben

Nehmen Sie ein Blatt Papier und einen Stift zur Hand oder machen Sie das Ganze digital in einem Textverarbeitungsprogramm. Und dann geht’s los! Nicht groß nachdenken, sondern einfach drauflos schreiben. Es geht dabei nicht um die Erstellung eines bedeutungsvollen Textes. Sie sollten nur darauf achten, dass die einzelnen Sätze einen Sinn ergeben, ohne zwingend in einem thematischen Zusammenhang zu stehen. Alternativ können Sie auch drauflos malen/zeichnen, ohne ein bestimmtes Motiv vor Augen zu haben.

Fazit: Trainieren und vertrauen Sie Ihrer Intuition!

Sie können Ihre Intuition durch regelmäßiges Üben schulen. Je ausgeprägter die Verbindung zu Ihrem immensen Informations- und Erfahrungsschatz im Unterbewusstsein, desto öfter wird sie Ihnen als weiser Ratgeber zur Seite stehen. Sie müssen nur ihren Signalen Gehör schenken und vertrauen. Wenn Sie also wieder mal ein „komisches Gefühl“ haben, das Sie nicht einordnen können, ignorieren Sie es nicht oder tun Sie es nicht als Einbildung ab, sondern nehmen Sie es als intuitiven Impuls wahr. Sehen Sie Ihren analytischen Verstand und Ihre Intuition als wunderbar ergänzende Partner, die Ihnen Gutes wollen. Welche Erfahrungen haben Sie mit Ihrer Intuition gemacht? Hier klicken für weiterführende spannende Impulse & Tipps auf Zeitblüten:
Und zum Weiterschmökern: hier alles zum Thema → Impulse & Aha-Momente
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