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Geduld kann man lernen

Die Geduld bleibt in unserer heutigen hektischen Zeit oft auf der Strecke. Es fällt nicht immer leicht, geduldig und gelassen zu bleiben. Wir sind es gewohnt, alles sofort zu erhalten. Auch deshalb, weil in unserer Gesellschaft die Technologien und die Strukturen vorhanden sind, um alles innerhalb kürzester Zeit bereitzustellen. All das trägt dazu bei, dass der Geduldsfaden heute äußerst dünn gesponnen ist.

Das Erlebnis eines Freundes

Ein Freund von mir, der für längere Zeit in Afrika unterwegs war, hat sich Geduld wieder angewöhnt bzw. dort lernen müssen. Lange Wartezeiten gehören dort vielfach zum Alltag. So erzählte er mir von einem Erlebnis in einer kleineren Stadt, wo er beruflich zu tun hatte:
An der Bushaltestelle hat er sich über die Abfahrtszeiten für die Fahrt in die nächste Stadt informiert. Überpünktlich gemäß dem Motto „Pünktlichkeit ist fünf Minuten vor der Zeit“ stand er am nächsten Tag an der Haltestelle und hat sich gewundert, dass er der einzige war, der auf den Bus zu warten schien. An dieser Situation hat sich eine Viertelstunde später nichts geändert. Als eine Frau vorbeikam, versicherte sie ihm, dass der Bus noch kommt. Eine halbe Stunde später stieß schließlich noch ein älterer Mann dazu, der auch auf den Bus wartete. Und nach etwa 40 Minuten fuhr dieser auch tatsächlich vor. Aber der Busfahrer machte keine Anstalten, gleich weiterzufahren. Mein Freund, der schon ziemlich „auf Nadeln war“, fragte nach dem Grund der Verzögerung. Der Busfahrer ließ ihn wissen, dass sicher noch mehrere Personen mitfahren möchten. Und er sollte Recht behalten. Nach und nach trudelten weitere Menschen ein. Nach etwa einer weiteren Stunde war der Bus bis auf den letzten Platz belegt und fuhr schließlich ab. Und niemanden schien die Wartezeit zu stören.
Mich hat diese Erzählung amüsiert. Damit will ich verdeutlichen, dass in anderen Ländern und Gesellschaften Geduld durchaus anders „gewertet“ wird. pxb_geduld-bus

Wie spät fährt der Bus ab? Sobald alle Plätze belegt sind!

Geduld hat Vorteile

Dass man mit dieser Tugend in der Regel weiterkommt, dürfte wohl einleuchten. So haben ungeduldige Menschen häufig Schwierigkeiten, Ziele zu erreichen, da sie bei Hindernissen und Problemen schneller aufgeben. Ungeduld ist auch ein fruchtbarer Nährboden für Fehler und Konflikte. Und sie kann auch negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Denn ungeduldige Personen sind häufig(er) Ärger und Stress ausgesetzt. Sie setzen sich selber unter Druck. Diese permanente Anspannung zehrt an der körperlichen und psychischen Verfassung.

Geduld kann man lernen

Das ist leichter geschrieben als umgesetzt – ich weiß. Wer sich aber vornimmt, geduldiger und gelassener zu reagieren, sollte am besten so vorgehen:

1. Bewusst machen

Es heißt nicht umsonst „Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung“. Es geht im ersten Schritt also darum, dass Sie sich bewusst machen, wann und in welchen Situationen Sie die Ungeduld überkommt. Und auch, was Sie mit Ihrer Ungeduld schon alles angerichtet haben – sowohl bei sich selbst als auch bei anderen Personen.

Deshalb Papier und Stift zur Hand und alle Folgen und Situationen notieren.

Im nächsten Schritt kommt das Hinterfragen dran. Für jede notierte Situation sollten Sie sich fragen, warum Ihnen in der entsprechenden Situation der Geduldsfaden reißt. Welche Gedanken ruft die Situation hervor?

2. Denkmuster ändern

Die Grundeinstellung basiert meist auf einem Denkmuster. Und ein solches hat sich in der Regel über Jahre eingeprägt. Nun gilt es, andere Denkansätze in Ungeduldsmomenten zu finden – beispielsweise das Positive in Wartezeiten zu sehen.

3. Wartezeiten sinnvoll nutzen

Um Wartezeiten zu überbrücken, sollten Sie sich Möglichkeiten zurechtlegen. Das können beispielsweise Gehirnjoggingübungen oder andere Gedankenspiele sein, die Sie durchspielen.

Lesestoff zur Überbrückung von Wartezeiten mit Pocket speichern:  

Da ich arbeitsbedingt viel im Internet unterwegs bin, stoße ich häufig auf interessante, lesenswerte Inhalte (z. B. Artikel). Allerdings fehlt mir dann meist die Zeit, um mich in diesem Moment ausgiebig und in Ruhe dem Artikel zu widmen.

Für diese Zwecke nutze ich die Software Pocket. Mit einem Klick kann ich diesen Artikel speichern und meine Arbeit fortsetzen.

Wenn ich später die Muße habe oder Wartezeiten überbrücken muss, greife ich in Pocket auf den gespeicherten Artikel zurück und lese ihn in Ruhe. Ich kann diesen Artikel auch unterwegs auf meinem Smartphone lesen – ohne damit online zu sein.

Wie Pocket funktioniert und wie Sie es für sich nutzen können, habe ich hier beschrieben. 

4. Üben

Ein Denkmuster und eine Grundeinstellung lassen sich nicht von heute auf morgen ändern. Es braucht Übung. Visualisieren kann da auch ein starker Motor sein. Sich also intensiv vorstellen, wie Sie in Zukunft auf typische Ungeduldssituationen mit Gelassenheit reagieren. Dann auch bewusst solche Situationen suchen, um Geduld zu üben. Auch Tätigkeiten bewusst langsam auszuführen, kann beim Üben helfen.

Wenn Sie das nächste Mal in einer Situation zu ungeduldig sind, auf die Sie keinen Einfluss haben, können Sie sich auch folgendes Sprichwort in Erinnerung rufen:

Gras wächst auch dann nicht schneller, wenn man daran zieht.

Entspannungsübungen

Für besonders ungeduldige, hektische Menschen können regelmäßig durchgeführte Entspannungsübungen wie Balsam auf der „dünnen Haut“ sein. Hier gilt es, eine effektive Entspannungsmethode zu finden, die am besten auch noch Spaß macht.

Eine Kurzgeschichte

Abschließend noch eine Kurzgeschichte, die vermittelt, dass das Warten und damit verbunden die Geduld durchaus einen Sinn haben können: Es war einmal ein junger Bauer, der wollte seine Liebste treffen. Er war ein ungeduldiger Geselle und viel früher zum Treffpunkt gekommen. Er verstand sich schlecht auf’s Warten. Er sah nicht den Sonnenschein, nicht den Frühling und die Pracht der Blumen. Ungeduldig warf er sich unter einen Baum und haderte mit sich und der Welt. Da stand plötzlich ein graues Männlein vor ihm und sagte: „Ich weiß, wo dich der Schuh drückt. Nimm diesen Knopf und nähe ihn an deine Jacke. Und wenn du auf etwas wartest und dir die Zeit zu langsam verstreicht, dann brauchst du nur den Knopf nach rechts zu drehen, und du springst über die Zeit hinweg bis dahin, wo du willst.“ Er nahm den Zauberknopf und drehte. Und schon stand die Liebste vor ihm und lachte ihn an. Er drehte abermals und saß mit ihr beim Hochzeitsschmaus. Da sah er seiner jungen Frau in die Augen: „Wenn wir doch schon allein wären ...“ „Wenn doch schon unser neues Haus fertig wäre ...“ Und er drehte immer wieder. Jetzt fehlten noch die Kinder und er drehte schnell den Knopf. Dann kam ihm Neues in den Sinn und er konnte es nicht erwarten. Und drehte, drehte, dass das Leben an ihm vorbeisprang. Und ehe er sich’s versah, war er ein alter Mann und lag auf dem Sterbebett. Er merkte, dass er mit der Zeit schlecht gewirtschaftet hatte. Nun, da sein Leben verrauscht war, erkannte er, dass auch das Warten des Lebens wert ist. Und er wünschte sich die Zeit zurück. Heinrich Spoerl, dt. Schriftsteller, 1887-1955
Abschließend noch ein passender, nachdenkenswerter Spruch (aus China): Zum Weiterlesen:
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