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Welche Macht geben Sie Ihrem Selbstkritiker?

Jeder von uns hat einen Selbstkritiker in sich. Dieser meldet sich in Form der inneren Stimme. Er beobachtet uns und unser Handeln und gibt gerne seinen Kommentar dazu. Manchmal laut, manchmal weniger laut. Kritik kann durchaus ihr Gutes haben, wenn sie berechtigt ist und fair kommuniziert wird. In dieser Form kann sie als Chance zur Veränderung, zur Verbesserung und damit zur Weiterentwicklung dienen. Das gilt auch für Selbstkritik. Nicht umsonst heißt es:
Selbsterkenntnis ist der erste Schritt auf dem Weg zur Besserung
Und Selbsterkenntnis folgt der Selbstkritik. negative-gedanken

Achtung vor negativer Kritik

Permanente unberechtigte Kritik hingegen kann genau das Gegenteil bewirken, also keine Verbesserung. Sie kann sich als großes Hindernis in der Weiterentwicklung herausstellen.
Genau deshalb sollte man den Selbstkritiker in uns gelegentlich hinterfragen. Denn torpediert uns diese innere Stimme häufig mit negativen Botschaften, mit Vorwürfen, so gestehen wir ihr große Einflussnahme auf unser Selbstbewusstsein und damit auf unsere Selbstsicherheit zu. Diese Macht unseres Selbstkritikers wird häufig bereits durch unser Umfeld in der Kindheit geprägt. Wenn ein Kind beispielsweise seitens seiner Eltern ständig mit Vorwürfen und negativer Kritik konfrontiert wird, entwickelt sich auch der Selbstkritiker in dieser Form. Und dieser hat in der Regel dann ein Leben lang Einfluss auf uns. Auch Lob und Anerkennung ist eine Form von Kritik. Schlägt das Pendel der Selbstkritik zu sehr Richtung „positiv“, kann sich das auch ungünstig auf die Charakterbildung auswirken. Als Beispiel sei hier ein Narzisst genannt. Dessen innere Stimme ist ständig am Loben und weist ihn darauf hin, wie toll er doch ist. Bei vielen Menschen zeigt sich der Selbstkritiker aber eher in Form von Selbstvorwürfen als in Form von Selbstlob.

So gewinnen Sie die Macht über Ihren Selbstkritiker – und nicht umgekehrt!

Gut, wie kann man seinen Kritiker in die Schranken weisen?

1. Bewusst hinhören

Der erste Schritt besteht darin, dem Selbstkritiker in uns bewusst zuzuhören. Denn wir sind uns dieser inneren Stimme oft nicht bewusst. Und doch ist sie permanent präsent.
Was teilt sie mir mit? Sind es Vorwürfe, ist sie ständig am (ver)urteilen, vergleicht sie mich permanent mit anderen?
Dieses Zuhören kann zu einer Aha-Erkenntnis führen. Oft wird uns erst durch dieses bewusste Hinhören klar, welche Macht und damit Einfluss wir diesem Selbstkritiker zugestehen.

2. Einfluss nehmen

Wenn sich Ihr Kritiker meist negativ äußert und Sie das Gefühl haben, dass er Sie in vielen Bereichen behindert, gewähren Sie ihm in Zukunft nicht mehr das Podium, um sich mitzuteilen. Das klappt dadurch, indem Sie ihn bewusst unterbrechen, wenn er wieder mal seine negativen Botschaften los werden will. Wenn sich also die innere Stimme das nächste Mal negativ äußert, halten Sie kurz inne und fordern Sie diesen Kritiker zum Schweigen auf. Und wenn Sie in Gedanken dazu laut „Stopp!“ rufen. Damit verliert er immer mehr an Macht. Dazu weitere Tipps:

» „Halt die Klappe!“ oder dekonstruktive Gedanken in konstruktive, motivierende umwandeln

Durch dieses Unterbrechen gewinnen Sie zusehends an Einfluss auf Ihren Selbstkritiker. Anfangs bedarf das etwas Ausdauer. Er hat sich in der Regel über Jahre entwickelt, eben durch entsprechende Denkmuster. Und diese lassen sich nicht von heute auf morgen abstellen.

3. Umwandeln

Nachdem Sie sich den negativen Selbstkritiker bewusst sind, ihn in seinen Vorwürfen unterbrechen, geht es im nächsten Schritt darum, der kleinlauten positiven Seite mehr Stimme zu gewähren. Durch Konzentration auf das Gute kann das gelingen. Aber auch auf das, was Sie beispielsweise aus Fehlern lernen können, ohne sich mit Vorwürfen selbst zu schwächen. Also faire Kritik darf die innere Stimme äußern. Aber Kritik sollte auch Verbesserungsvorschläge bieten. So werden Sie schließlich Ihren Selbstkritiker zu Ihrem Verbündeten erziehen, der Sie auch bei Ihren Zielen unterstützt. Henry Ford (amerik. Automobilproduzent, 1863–1947) hat es bereits treffend auf den Punkt gebracht:
Ob du glaubst, dass du etwas schaffst, oder ob du glaubst, dass du es nicht schaffst - du wirst auf alle Fälle Recht haben!
Oder anders formuliert:
Wenn Ihr Selbstkritiker sagt, Sie schaffen es nicht, dann werden Sie es vermutlich auch nicht schaffen.
Abschließend möchte ich noch Wilhelm Busch das Wort geben. Auch er hat sich bereits mit dem Thema auseinandergesetzt. Und seine Sicht der „Dinge“ gefällt mir:
Die Selbstkritik hat viel für sich. Gesetzt den Fall, ich tadle mich, so hab' ich erstens den Gewinn, dass ich so hübsch bescheiden bin. Zum zweiten denken sich die Leut, der Mann ist lauter Redlichkeit; auch schnapp' ich drittens diesen Bissen vorweg den andern Kritikküssen. Und viertens hoff' ich außerdem auf Widerspruch, der mir genehm. So kommt es denn zuletzt heraus, dass ich ein ganz famoses Haus.
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