Zeitblüte: Mir reicht’s! Ich bin raus!

Zeitblüten-Einsendung:

Ich habe 20 Jahre lang als Selbstständiger meine Zeit damit verbracht, Geld einzusammeln, um es dann wieder auszugeben, um mich dann mit Dingen zu umgeben, die eigentlich nicht wichtig zum Leben sind.

Mein Job hat mir Spaß gemacht und mich 10 Stunden täglich gefordert. Irgendwann kommt man an einen Punkt, an dem man sich fragt: “Ist das alles?”Das bisschen Freizeit, das mir geblieben ist, ist draufgegangen für Familie, Kind, Haus, Garten und mal ein bisschen die weite Welt besichtigen. Aber auch das war Stress.

Vor zwei Jahren habe ich umgedacht und beschlossen: Jetzt ist es Zeit für mich!

Niemand weiß, wie lange er lebt, wie alt man wird und dabei gesund bleibt. Es ist keinem vorherbestimmt und das Wichtigste im Leben ist Gesundheit und Zeit! Beides kann man nicht kaufen.

Ich habe mein Geschäft geschlossen, alles verjodelt, meine Ausgaben eingedampft, auf die wichtigsten Sachen wie Essen, Trinken, Schlafen, Wohnen und Autofahren beschränkt.

Jetzt hatte ich endlich Zeit für mich. Ich lass mich nicht mehr stressen und habe einen stabilen Blutdruck. Das Leben ist viel zu kurz, um es unbewusst zu vergeuden.

Ich genieße alles viel bewusster – egal, ob kurze Ausflüge, Spaziergänge, Freunde, Familie, Natur. Und was heute nicht geschafft wird, auch morgen kann ein schöner Tag sein, es zu erledigen.

Was soll die ewige Jagd nach dem Geld? Man braucht zum Leben keine teure Uhr und keinen Luxus-Anzug – also ich nicht und wer es haben will, der soll weiter jagen. Ich bin raus!

Meine Zeitblüte ist nicht mehr der kleine Moment – ich gönne mir große Momente, bevor die Alzheimer und der Sensenmann mich erledigen.

Thomas R. 

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Kommentare

  • Yvonne

    Hallo Thomas,
    Deine Worte haben mich sehr berührt. Gerade gestern dachte ich wieder, dass ich nur am Machen bin. Den ganzen Tag jage ich einem Termin nach dem anderen her. Und abends bin ich müde und fühle mich leer, denn für die Dinge, die mir Spaß machen, die ich gerne tu, nehme ich mir nicht die Zeit. Aussteigen, etwas Grundlegendes im Leben ändern! Ja, das spricht mich an, gleichzeitig merke ich, dass da aber auch eine Angst dahinter steht. Denn dann laufe ich ja nicht mehr mit den anderen mit. Ich freue mich für Dich, dass Du den Weg raus gefunden hast und mir und anderen zeigst, dass dies möglich ist. Danke!

  • Barbara

    Hallo Frau Yvonne,
    ich habe ebenfalls vor 5 Jahren den Beschluss gefasst, mein Leben nicht mehr nach Geld und Karriere auszurichten und arbeite nur noch stundenweise, wohne in einem alten Bauernhaus weit ab von Großstadthektik.

    Nun habe ich dabei auch die Kehrseiten der Medaille erfahren, die ich Ihnen zu bedenken geben möchte:

    Viele Freunde, die so nicht denken wollen (und können), wenden sich ab. Wenn ihr Partner den Gedanken nicht mit lebt, kommt es unweigerlich zum Auseinanderleben!
    Also ich genieße mein jetziges Leben, aber es kann auch ein bisschen einsam machen!!

  • Manfred

    Hallo Thomas,

    vielen herzlichen Dank für diese Zeitblüte!!

    Ich kann jeden Satz, jedes Wort von Dir nur bestätigen.
    Genau das Gleiche habe ich ebenso getan, aus den gleichen Beweggründen heraus.

    Ich wachte eines Morgens auf und wollte nicht mehr, ganz plötzlich, auch für mich völlig unerwartet.

    So fuhr ich in meine Firma. Ich habe diese 17 Jahre aufgebaut und weiterentwickelt. Doch die Konsequenzen, positive wie beispielsweise viel Geld, obwohl auch die hinderlichen für eine gesunde Entwicklung, wie Du so gut beschrieben hast, wollte ich einfach kaum mehr.

    Mir reichte es!

    Meinen beiden vertrauten Sekretärinnen fielen die Augen aus dem Kopf, als ich eröffnete, dass es jetzt vorbei ist.
    Ich verschenkte die Firma an meine 3 besten Mitarbeiter und die beiden Sekretärinnen.
    Verschenkte 2/3 meines großen Hausinventares und warf noch viel weg.

    Das mir Wichtige verstaute ich in einer sicheren Garage, packte 2 Koffer, meine Kreditkarte, etwas Bargeld und meinen sehr großen Hund.
    Buchte ein Hunde-Ticket und eines für mich in ein weit entferntes außereuropäisches Land (spreche die Sprache perfekt) und meldete mich aus D-Land ab.

    Der Moment, als der Zug aus dem Bahnhof der Stadt fuhr, die so viele Jahre meine Heimat war, war unbeschreiblich. Ich war frei!

    Das hat mein Leben gerettet.
    Heute bin ich jeden Tag zufrieden, ohne Reichtum und Statussymbole, dafür mit einem inneren Reichtum beschenkt, welcher sich nicht in Geld, Vermögen oder Besitz aufwiegen läßt.

    Manfred

  • Andreas

    Hallo Thomas,

    viele denken wie Du, wenige trauen sich es zu tun! Gratulation, ein großer – vor allem befreiender Schritt!

    Ich habe momentan auch eine “Auszeit” und merke, wie gut es tut, den elementaren Dingen nachzugehen, anstatt sich Zielen zu unterwerfen, die nicht wirklich die eigenen sind. Alles nur des Geldes wegen.

    Ich behaupte, 2/3 unserer Zivilisationskrankheiten könnten ad hoc verschwinden, würde jeder einen “Schritt hinauswagen” und wieder zu sich selbst kommen. Es ist wohl weniger eine Frage des Könnens, als vielmehr die des Wollens und dem Ablegen unserer ganzen Ängste!

    Sind wir nicht eh an einem Punkt angelangt, wo WENIGER die Devise für eine friedliche und gerechtere Welt sein muss?.

  • Thomas Pracht

    Hallo Thomas R.,

    so wie Du würde ich auch gern leben. Aber womit verdienst Du jetzt Dein Geld? Gehst Du einer anderen Arbeit nach, oder lebst Du von Deinem Ersparten? Ich bin auch selbständig, aber wenn ich aussteige, kann ich nur zum Arbeitsamt gehen, um Alg 2 zu beantragen.

    Beste Grüße
    Thomas P.

  • Hallo Thomas,

    der Gedanke ans Aussteigen ist ja sehr schön. Nur auch das muss man sich “leisten” können. Das tägliche Leben kostet nun mal Geld, selbst, wenn man auf jeglichen Komfort verzichtet. Schon allein Beiträge für die KV müssen erwirtschaftet werden und wer älter ist, kann sich nun wirklich nicht leisten aus der KV auszusteigen.
    Aber auch ein eigenes Haus verursacht Kosten und von Luft und Liebe kann man sich bekanntlich auch nur ganz kurz ernähren :)

    Andererseits sollte sich jeder Gedanken machen, inwieweit er das “Höher-Schneller-Weiter” unterstützen möchte. Es ist auch eine Leistung, einmal “Nein” sagen zu können und Aufträge auszuschlagen, auf Statussymbole verzichten zu können.

    Es wichtig, die richtigen Menschen zur Seite zu haben, die gemeinsame Zeit gemeinsamen “Events” vorziehen, die das Gespräch und Ruhe gegen irgendwelche Berieselung tauschen möchten. Viele sind es sicher nicht, aber dafür bestimmt umso intensiver.

    Kürzer treten wird für einige möglich sein – und ist bestimmt nachdenkenswert. Aussteigen wird sich nur für ganz wenige verwirklichen lassen.

  • Matthias Gärtner

    Hallo Thomas,
    ich wünsche Dir alles Gute in diesem neuen Abschnitt. Diesen Schritt und die Überlegungen hierzu kann auch ich gut nachvollziehen und stehe damit wahrscheinlich in einer ganz langen Reihe von Lesern und Vorrednern.

    Allerdings würde mich interessieren, wie Du Dein bzw. das Leben von evtl. Angehörigen jetzt bestreitest.

    Bislang hatten die meisten Aussteiger, die ich bei einem eigenen insgesamt 3 Jahre andauernden Versuch vor ca. 10 Jahren kennengelernt habe, eine materielle Grundlage, auf die sie zurückgreifen können. Diese Grundlage war und ist deren Sicherheit, über die sie bei Bedarf (Unfall, Krankheit, Hunger, Langeweile, etc.) verfügen können. Darüber hinaus konnten sich einige mit dem vorhandenen Startkapital ein Haus und ein Fahrzeug anschaffen und hatten somit gleich ein Heim und waren mobil.

    Ich fände es hilfreicher, wenn die ganze Geschichte erzählt werden würde und nicht nur die nostalgische Seite, die zwar bei den meisten Lesern entsprechende Emotionen auslöst, aber insgesamt dann doch viel zu oberflächlich ist, um eventuell etwas daraus für sich selbst lernen zu können.

    Spannend wäre es doch zu erfahren, ob und wie so etwas gelingen kann, ohne in seinem vorherigen Leben durch Erbschaft, Schenkung, Lottogewinn oder Spekulation zunächstmal für ein hohes Vermögen gesorgt zu haben.

    Gruß
    Matthias

  • Frau KA

    Hallo Thomas!
    Hallo Matthias!

    Ich finde Deine ZeitBlüte sehr schön, Thomas, und sicher ist das einer der richtigen Wege zum Glück und ich wünsche Dir viel Freude bei jedem neuen Schritt.

    Sehr gern stimme ich dem Kommentar von Matthias besonders zu, Du bringst für mich auf den Punkt, was ich auch vermisste: die ganze Geschichte, die Schattenseiten oder auch die günstigen Umstände, die einfach nicht jeder hat.

    Ich selbst habe bisher weder eine Erbschaft gemacht noch diese zu erwarten, noch habe ich ein Unternehmen aufgebaut, ich halte mich als Angestellte lediglich über Wasser – und arbeite trotzdem mit echtem Engagement und mit Überzeugung, doch reicht es immer nur zur Grundausstattung, wenn ich das mal so formulieren darf.

    Ich gebe mir Mühe, dennoch im Hier und Jetzt glücklich zu sein, ein klassischer Ausstieg ist nicht unbedingt mein persönliches Ziel, ich suche eher nach dem Ausstieg ins Jetzt, und habe auch meine Zweifel daran. Ist meine Konditionierung inzwischen zu gut oder bin ich tatsächlich zufrieden?

    Froh bin ich jedenfalls über all die ZeitBlüten hier und über den stets inspirierenden Newsletter. Danke.

    Frau KA aus Frankfurt/M

    • Vielen Dank für Ihren Beitrag, Frau KA! Freut mich, dass Ihnen die Zeitblüten und mein Newsletter gefallen!

  • Gabriele

    Hallo zusammen,

    da ich den Newsletter regelmäßig erhalte, bin ich unweigerlich auch hier gelandet und habe alle Kommentare ganz interessiert gelesen. Ich wundere mich darüber! Wie bereits mehrfach zuvor gefordert wurde, WARUM Thomar R. keine genaueren Angaben zu den Wirklichkeiten des Aussteigens macht, bezüglich die normalen Kehrseiten, die wohl ein jeder zu erwarten hat bzw. zu bewältigen hat.

    In vielem kann ich Yvonne, Barbara, Manfred, Andreas, Thomas P., Astrid, Matthias und Frau Ka nur zustimmen, wo bleibt die Antwort zu dem, ich zitiere Matthias:

    Ich fände es hilfreicher, wenn die ganze Geschichte erzählt werden würde und nicht nur die nostalgische Seite, die zwar bei den meisten Lesern entsprechende Emotionen auslöst, aber insgesamt dann doch viel zu oberflächlich sind, um eventuell etwas daraus für sich selbst lernen zu können.
    Spannend wäre es doch zu erfahren, ob und wie so etwas gelingen kann, ohne in seinem vorherigen Leben durch Erbschaft, Schenkung, Lottogewinn oder Spekulation zunächstmal für ein hohes Vermögen gesorgt zu haben.

    Ich kann nur DITO sagen, zu dem, was Matthias beschreibt/erwartet und hoffe, wir alle erhalten aufschlussreiche Informationen, dafür wäre ich sehr dankbar – danke.

    Mein Interesse dabei ist die Idee, nach Thailand auszusteigen, aber auch ich habe kein großes Budget irgendwo abrufbereit und ich möchte noch ca. 10 Jahre arbeiten, nicht unbedingt Vollzeit, es reicht mit ca. 5 Stunden täglich. Ich bin erst 53 Jahre jung, frisch, gesund, bereit aufzubrechen zu neuen Ufern, meinen Horizont zu erweitern, nachdem ich vor 3 Jahren nach Schweden ausgewandert bin, ist der nächste Schritt um einiges leichter. Auch weil ich es bevorzuge, im viel wärmeren Klima zu leben.

    Viele liebe Grüsse an alle Mitintressenten und danke für die inspierenden Newsletter!

    Gabriele

    Evtl. informative Vorschläge bitte an Gaby.Morena@gmx.de senden, danke.

  • Oliver

    @Gabriele & Co

    Der Grund, warum die meisten Menschen diesen Schritt nicht wagen, ist, dass sie zu viel darüber nachdenken und einen Fahrplan dafür wollen.

    So geht das aber nicht, denn dafür sind wir Menschen nämlich viel zu verschieden und das ist ja auch gut so. Letztes Jahr bin ich über 5.000 km mit dem Fahrrad durch Europa gefahren, habe einfach mal das Geschäft geschlossen und nun sitze ich wieder zu Hause und alles ist wie vorher.

    ABER unterwegs habe ich tausend Menschen getroffen, die auch von solch einer Auszeit geträumt haben … doch immer wieder hörte ich “Dafür habe ich keine Zeit”.

    Und genau das ist der Punkt, wenn man sich die Zeit nicht nimmt, dann wird man sie auch nie haben.

    Ich kann für mich nur sagen, die Monate Auszeit waren einfach nur toll und mein Jugendtraum wurde verwirklicht … und an meinem Leben zu Hause hat sich nichts geändert. Alles läuft genauso weiter wie vorher … nur in meinem Kopf strahlt die Sonne, denn ich habe mir die Zeit für mich genommen, einfach so, ohne weiter darüber nachzudenken!

    Traut Euch, das Schlimme am Leben sind die verpassten Chancen …

  • Rudolf

    Hallo Oliver.

    Du schreibst, Du hättest Dein Geschäft einfach geschlossen. Schön, wenn das so leicht geht und nach Deiner Rückkehr alles wieder weiter läuft wie zuvor.

    Aber einerseits kann ich mir nicht vorstellen, dass man ein Geschäft einfach mal für einige Monate schließen und dann nahtlos weiter betreiben kann. In der Zwischenzeit springen doch sicher etliche Kunden ab.

    Zum anderen hast Du als Angestellter nicht die Möglichkeit, einfach mal so eine Auszeit zu nehmen. Das würde sicher keine Firma ohne Weiteres tolerieren. Und wer kann sich schon so locker vom Hocker den Verlust seines Arbeitsplatzes leisten, zumal wenn man schon etwas älter ist und nicht mehr so leicht einen neuen Job bekommt?

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