Bettina Stackelberg: Selbstbewusstsein ist lernbar!

Zur Person:

Bettina Stackelberg

Bettina Stackelberg, die Frau fürs Selbstbewusstsein®, Trainerin, Coach und Buchautorin. Website von Bettina Stackelberg


Packen Sie’s an – Selbstbewusstsein ist lernbar!

„Menschenskinder, ist der aber selbstbewusst – so wär ich auch gerne!“
Kennen Sie solche Gedanken? Sind Sie mit Ihrem Selbstbewusstsein noch nicht an dem Punkt, an dem Sie gerne sein wollen? Wünschen Sie sich mehr Selbstbewusstsein? Wollen Sie damit auch gelassener und erfolgreicher sein?

Na denn – los geht’s!

Selbstbewusstsein ist nicht in den Genen verankert, es wird uns nicht in die Wiege gelegt und fällt nicht vom Himmel – wir können etwas dafür tun.
Viele Bücher beschäftigen sich mit diesem Thema – auch meines: Selbstbewusstsein. Das Trainingsbuch. C.H.Beck Verlag 2009. Goldene Regeln, Tipps und Anregungen lesen sich oft gut, sind aber oft sehr theoretisch oder wissenschaftlich abgehoben.

Daher möchte ich Ihnen heute ein paar ganz normale Alltagssituationen schildern und meine Ideen dazu. Situationen aus dem Berufs- und Privatleben, in denen Selbstbewusstsein gefragt ist! Üben Sie – Sie werden sehen: Es macht Spaß und hilft!

1. Frust statt Lob im Job

Die Situation:

Wochenlang haben Sie an einer wichtigen Projekt-Präsentation für Ihre Abteilung gearbeitet. Sie haben recherchiert, Interviews geführt, viele Stunden lang geschrieben und immer wieder umgeschrieben, viel Herzblut und Engagement hineingesteckt. Endlich ist es soweit – Sie halten Ihre Präsentation! Leider ernten Sie statt Anerkennung und Lob nur eisiges Schweigen und süffisante, spitze Bemerkungen Ihres Chefs.  Sie sind frustriert, wütend und todunglücklich zugleich. Was tun?

Meine Antwort:

Spielen Sie jetzt auf keinen Fall die beleidigte Leberwurst à la „Ich hab mir aber soviel Mühe gegeben“! Schimpfen Sie später wie ein Rohrspatz darüber beim Telefonat mit der Freundin, heulen Sie sich abends bei Ihrem Süßen aus – aber bewahren Sie jetzt die Haltung!

Sie können aus Feedback lernen – fragen Sie als erstes danach!

Das Schweigen muss z.B. gar nichts mit Ihrer Präsentation zu tun haben – vielleicht haben Ihre Kollegen gerade eine Mail mit Gehaltskürzung erhalten. Sprechen Sie es ruhig an, dass Sie das Schweigen irritiert und Sie gerne den Grund erfahren wollen.

Und Ihrem Chef begegnen Sie bitte auch mit Selbstbewusstsein: Schießen Sie sofort eine ironische Bemerkung hinterher – das können Sie üben. Oder ignorieren Sie den Spruch komplett und fragen Sie deutlich nach: „Chef, was meinen Sie – was war gut, woran kann ich noch arbeiten?“ Diskutieren Sie sachlich die inhaltlichen Punkte mit der Gruppe – denn nur die sind wichtig.

Und wenn der Chef eigentlich neidisch auf Ihre tollen Ideen ist, wenn die Kollegen einfach keinen Bock auf konstruktive Diskussion haben – hey, Sie selbst finden doch, dass das eine gute Präsentation war, oder!? Na also!

Grenzen Sie sich ab und machen Sie die fehlende Begeisterung nicht zu Ihrem Thema – lassen Sie es bei der Gruppe.

2. „Immer ich!“– die Welt mag mich nicht.

Die Situation:

Manchmal genügt eine Kleinigkeit, um Ihr sowieso schon wackeliges Selbstbewusstsein vollends aus der Bahn zu werfen. Eine Kleinigkeit, die das Fass zum überlaufen bringt – sagen wir: Sie erhalten einen Strafzettel wegen zu schnellen Fahrens. Oder Ihr Lieblingswein ist ausverkauft beim Händler. Oder Sie schrammen beim Einparken mit der Stoßstange am Betonpfeiler entlang. Sofort nehmen Sie es persönlich: Keiner liebt mich, alle anderen sind glücklicher, erfolgreicher, haben Ihr Leben  im Griff – nur ich bin ein solcher Loser!

Meine Antwort:

Ja, diesen Tunnelblick haben wir alle mal – selektive Wahrnehmung nenn ich das und das ist allzu menschlich :-)! Das Gefährliche daran ist der Teufelskreis: Wenn Sie sich da hineinbegeben, wird plötzlich aus dem kleinen Missgeschick tatsächlich der Weltuntergang – alle sind besser, schöner, erfolgreicher blabala … nur Sie bringens nicht auf die Reihe, nur Sie sind zu dämlich….

STOPP!! Steigen Sie aus! Stellen Sie sich bildlich ein feuerrotes Stopp-Schild vor.

Hauen Sie die Bremse rein in diesem Teufelskreis. Es ist nur eine Schramme – es ist nur ein klitzekleiner Blechschaden. Einparken war halt noch nie Ihre Stärke – na und? Sie dürfen Fehler machen, Schwächen haben! Schließlich haben Sie auch genügend Stärken und Fähigkeiten! Sie können nicht so gut einparken – fahren aber dafür sicher und flott wie ein Kerl.

Sie können nicht so gut vor Gruppen reden – sind aber das Organisationsgenie der Abteilung. Sie können nicht so gut kochen – aber Ihr Erdbeerkuchen ist legendär.

Besinnen Sie sich auf Ihre Stärken, auf Ihre Erfolge!

Sie haben jetzt ne Schramme im Auto – aber dafür haben Sie sich gestern den langersehnten Auftrag geangelt. Lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit auf Ihre Erfolge … und wenn das schwerfällt: Üben Sie das, stärken Sie Ihre Stärken – dann fallen die Schwächen nicht mehr so ins Gewicht und beim nächsten Mal können Sie über Ihre kleine Ungeschicklichkeit schmunzeln.

3. Ich kann nicht mitreden – alle sind klüger als ich.

Die Situation:

Auf einer Party diskutieren die Gäste über die neueste politische und wirtschaftliche Lage – ein Thema, welches Sie nicht sonderlich interessiert und wo Sie auch nicht wirklich bewandert sind. Oder Sie haben den neuesten Bestseller Roman nicht gelesen und waren nicht in der wichtigsten Theater Premiere der Saison. Sie ziehen den Kopf ein, schweigen und hoffen, dass man Ihnen nicht auf die Schliche kommt.

Meine Antwort:

Machen Sie aus der vermeintlichen Schwäche eine große andere Stärke – stehen Sie offen zu Ihrem Fragezeichen im Kopf. Wenn es Sie ehrlich interessiert – fragen Sie nach! Sagen Sie: „Das hab ich jetzt grad nicht verstanden, das ist mir neu. Erklären Sie mir das bitte?“ Wirklich anstrengend werden solche vermeintlichen Wissenslücken erst dann, wenn Sie sie krampfhaft verstecken wollen. „Oh Gott, hoffentlich merkt das jetzt keiner!“ – das macht den Stress und der findet ausschließlich in Ihrem Kopf statt.

Sie wissen, warum Ihnen zum Beispiel damals die Weltreise viel mehr gebracht hat als das Abi.

Sie haben Dinge gelernt, erlebt und gesehen, von denen andere weit entfernt sind.

Und glauben Sie mir – wenn Sie offen und ehrlich zu Ihren Wissenslücken stehen und interessiert nachfragen, passiert nix, wirklich gar nix – außer der Tatsache, dass Sie interessante Antworten bekommen und dazulernen können.

Und wenn wirklich mal jemand auf Sie herabsieht und mit seinem Doktortitel angibt oder protzt „Also, diese Oper muss man doch einfach kennen!“ – dann ist das SEIN Thema, nicht IHRES. Lassen Sie ihm seine Arroganz, wenn er sie so nötig hat. Wundern Sie sich drüber, aber ärgern Sie sich nicht und lassen sich nicht verunsichern.

4. Hey, ich war zuerst da!

Die Situation:

Schon wieder drängelt sich an der Bäckereitheke jemand vor. Schon wieder betreten Sie ein Restaurant, in dem nur noch ein Tisch frei ist – und jemand anderes ist schneller. Oder: Sie waren beim Friseur, der Sie unfreundlich behandelt und noch dazu übel zugerichtet hat, zücken unzufrieden das Portemonnaie, um zu bezahlen, wagen es nicht, sich zu beschweren. Wie sagt man freundlich nein? Wie beschwert man sich, ohne zickig zu wirken?

Meine Antwort:

Das ist genau das Problem bei uns Frauen – wir wollen nicht als Zicke dastehen! Ums Verrecken nicht, das ist für uns das größte Schimpfwort. Warum eigentlich? Männer nennen uns oft „Zicke“, wenns für sie eng wird: Wenn sie die ungeliebte Arbeit nicht der Kollegin aufs Auge drücken können, wenn der Friseur zugeben muss, gepfuscht zu haben, wenn wir nicht beim Umzug des Freundes helfen.

Ja, manchmal ist es eben verdammt wichtig, Zicke zu sein! Seien Sie Zicke, ohne zickig zu sein: Dem Friseur können Sie ruhig und deutlich sagen: „Tut mir leid, aber das entspricht nicht meinen Vorstellungen, diese Frisur gefällt mir ganz und gar nicht. Was schlagen Sie vor?“ Tun Sie das ohne jammernden Unterton, ohne Augenverdrehen, seien Sie nicht weinerlich oder zickig.

Beschweren Sie sich selbstbewusst und stellen Sie klare Forderungen, äußern Sie Ihre Wünsche.

Das klappt nicht immer – aber wenn Sie üben, immer öfter. Ja, Sie brauchen Routine im „NEIN!“ sagen.

Ohne viel Drumherum, ohne rosa Schleifchen: „Nein, das gefällt mir nicht! Nein, Sie dürfen NICHT vor mir an die Kasse, ich hab es auch eilig! Nein, das ist dein Job, erledige das bitte selbst!“

Fangen Sie zu üben an, wenn Sie in guter selbstbewusster Tagesform sind. Fangen Sie bei Kleinigkeiten an, wo es noch nicht „um viel geht!“.

Lernen Sie sich kennen dabei, achten Sie darauf, wie es beim Gegenüber ankommt, feilen Sie an Ihrem Ausdruck und Ihrer Körpersprache. NEIN sagen erleichtert viel und kann sogar Spaß machen, Sie werden sehen. Und wenn Ihr Gegenüber dann trotz den Alternativen, die Sie ihm anbieten, beleidigt oder eingeschnappt ist: Dann ist das zwar schade, aber dann ist das so.

Sie können es nicht immer sich selbst und allen anderen recht machen. Entscheiden Sie sich dafür, was Ihnen wichtiger ist: Die Harmonie mit den anderen oder Ihr eigenes Wohlbefinden.

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