5 Naturheilmittel – natürliche und sanfte Hilfe bei Stress und Burnout

Stehen Sie tagtäglich unter Stress?

Wenn kein Ende der Stressbelastung absehbar ist, wird sich dies früher oder später auf Ihre physische und psychische Gesundheit auswirken: Kopfschmerzen, Konzentrationsschwierigkeiten, Übermüdung, Schlafstörungen, Vergesslichkeit, Verdauungsprobleme, häufige Erkältungen – alles mögliche Stresssymptome. Burnout-Gefahr!

Aber was tun, damit es erst gar nicht so weit kommt?

Im ersten Schritt geht es immer darum, die Stressauslöser zu identifizieren, um diese in weiterer Folge zu eliminieren oder zumindest zu reduzieren (hier Tipps dazu). Nun ist das kurzfristig – z. B. durch einen Jobwechsel – wohl in den seltensten Fällen möglich.

Wenn sich also die Stressursachen nicht zeitnah ändern lassen, können Sie zumindest die Stresssymptome mildern: mit Naturheilmitteln.

In diesem Gastbeitrag nennt Dr. Walter Mair (mehr über den Autor am Ende des Beitrags) fünf Naturheilmittel, die Ihnen bei Stressbelastung Hilfe bieten. Sie erhalten diese in jeder Apotheke, in entsprechenden Fachgeschäften oder die Pflanzen selbst in Gärtnereien.

5 Antistress-Naturheilmittel: Wirkung & Anwendung

Wenn Sie sich überlastet und gestresst fühlen, können Naturheilmittel die Stresswahrnehmung und Stresssymptome auf natürliche Weise reduzieren und die Stressresistenz stärken. Sie sind sanft zum Körper und bisweilen sogar effektiver als schulmedizinische Präparate.

Im Zusammenhang mit einer Burnout-Erkrankung gilt natürlich: Naturheilmittel können niemals die psychologische Hilfe einer Therapie ersetzen, sondern nur eine sinnvolle Ergänzung darstellen.

Die folgenden fünf Naturheilmittel helfen mit ihren spezifischen Eigenschaften effektiv bei Stressbelastung:


1. Lavendel

Lavendel zählt zu den klassischen natürlichen „Stresslösern“. Er ist schon seit dem Mittelalter für seine beruhigende Wirkung bekannt.

Wirkung

Der angenehme Duft von Lavendel entspannt durch seine angstlösenden Inhaltsstoffe und beruhigt nach einem anstrengenden Tag – er kann sogar beim Einschlafen helfen. Aus diesem Grund duften auch so viele Kopfkissensprays nach der violetten Pflanze.

Lavendelöl wird in Kombination mit aufkonzentrierten Inhaltsstoffen auch zur Behandlung von Angststörungen verwendet.

Untersuchungen bei Patienten zeigten eine deutliche Angstlösung nach nur 2 Wochen Therapie mit aufkonzentriertem Lavendelöl (80 mg/Tag). Nach 6-wöchiger Anwendung konnten die Ergebnisse sogar mit dem Arzneistoff Lorazepam (0,5 mg/Tag) mithalten [Quelle: CME, January 2013, Volume 10, Issue 1, pp 28–28].

Anwendung

Als Öl:

Ätherisches Lavendelöl kann in einem Luftbefeuchter oder alternativ in einer Duftlampe die Raumluft bereichern. Warme Bäder, zu denen Sie ein paar Tropfen Lavendelöl hinzufügen, entspannen ebenso Körper und Geist.

Für unterwegs hilft es, eine kleine Flasche Lavendelöl dabei zu haben, an der Sie riechen können, wenn Sie sich angespannt fühlen. Diesen entspannenden Effekt können Sie in Kombination mit Melissenöl verstärken.

Bei Angststörungen wird Lavendelöl in einer Dosis von 80 mg/Tag empfohlen. Die Wirkung sollte innerhalb von 14 Tagen eintreten – in ca. 10 Wochen sollte ein Maximaleffekt erreicht werden.

Nebenwirkungen

Bei der Anwendung von Lavendelöl sind kaum Nebenwirkungen zu erwarten. Halten Sie sich aber am besten an die Tagesdosis und verwenden Sie kein Lavendelöl, wenn Sie eine Überempfindlichkeit haben. Dies kann auch Hautreizungen sowie allergische Reaktionen verursachen. Kontakt mit den Schleimhäuten und den Augen ist zu vermeiden.

Untersuchungen zeigten bei bis zu 7,5 % der Patienten Aufstoßen und bei 5 % Verdauungsstörungen auf [Quelle: MMW – Fortschritte der Medizin, September 2010, Volume 152, Issue 40, pp 22–220].

Bei Kindern unter 2 Jahren sollten grundsätzlich keine ätherischen Öle angewendet werden. Das gilt sowohl für die Haut als auch für die Inhalation. Andernfalls kann dies nämlich unter anderem zu Atemlähmungen und Atemstillstand führen.


2. Baldrian

Der Baldrian ist wohl die bekannteste Heilpflanze gegen Stresssymptome und Nervosität.

Wirkung

Baldrian enthält mehr als 150 synergetisch wirkende Inhaltsstoffe, sodass damit mehrere Bereiche parallel behandelt werden können.

Seine angstlösende, schlaffördernde und entspannende Wirkung ist den enthaltenen Alkaloiden und den ätherischen Ölen geschuldet. Diese zielen direkt auf das Zentralnervensystem und können so unter anderem auch einem stressbedingten Haarausfall entgegenwirken.

Baldrianpräparate helfen vor allem bei stressbedingten Einschlafschwierigkeiten, hohen nervlichen Belastungen oder auch nervösen Unruhezuständen, die auf Magen und Darm schlagen.

Anwendung

Wichtig zu wissen: Die Wirkung von Baldrian setzt in der Regel erst nach ca. 14 Tagen ein! Die Dosis zu erhöhen, beschleunigt die Wirkung nicht.

Als Tee:

Für mehr Ausgeglichenheit können Sie die Baldrianwurzel mindestens einmal täglich als Tee einnehmen. Die Wurzel ist in vielen Teemischungen erhältlich, beispielsweise in Nerven-, Schlaf-, Beruhigungs-, aber auch Magen-Darm-Tees. Halten Sie sich an eine Dosis von etwa 23 g pro Tasse. Nach 10-15 Minuten Ziehzeit geben Sie alles durch ein Teesieb. Baldriantee trinken Sie idealerweise abends vor dem Schlafengehen.

Als Extrakt:

Baldrian ist außerdem in Flüssig- oder Trockenextrakten erhältlich, beispielsweise in Tabletten-, Kapselform oder als Tropfen. Typisch sind auch Kombinationspräparate mit Hopfen, Melisse, Johanniskraut oder Passionsblumenkraut.

Leiden Sie unter Einschlafstörungen, nehmen Sie etwa 400–900 mg vor dem Schlafengehen ein – und zwar 30 Minuten bis 2 Stunden vorher. Bei Unruhezuständen empfehlen sich 300–450 g über den Tag verteilt.

Als Bad:

Oder Sie nutzen Baldrian in Form von Bädern – die Wurzel hat eine leicht beruhigende Wirkung und löst Muskelverspannungen. Ein Aufguss von 100 g mit 2 Litern heißem Wasser ist ideal. Warten Sie 10 Minuten und geben Sie dann alles durch ein Teesieb – danach zum Badewasser hinzugeben. Baden Sie etwa 10-20 Minuten bei etwa 35° Celsius.

Nebenwirkungen

Die Anwendung von Baldrian kann in seltenen Fällen zu Problemen im Magen-Darmtrakt oder zu allergischen Reaktionen führen. Kopfschmerzen, Unruhe und Störungen der Herzfunktion sind möglich. Deshalb gibt es im Zusammenhang mit der Anwendung bei Schwangerschaft kontroverse Meinungen. Sprechen Sie das am besten mit Ihrem Arzt ab.

Enthalten Baldrianprodukte Alkohol, kann das zudem zu weiteren Nebenwirkungen führen.

Auch vor einer Operation mit Narkose sollten Sie keinen Baldrian einnehmen – das könnte eine negative Reaktion mit den Narkosestoffen verursachen.


3. Melisse

Die Blätter der Melisse enthalten viele ätherische Öle sowie einige Saponine, die eine entspannende und beruhigende Wirkung auf den Körper haben. Allerdings können sie auch belebend, anregend und aufmunternd wirken.

Wirkung

Melisse wird erfolgreich bei Reizbarkeit und Migräne eingesetzt. Auch gegen Angstzustände und allgemeine Nervosität kann sie helfen. Stress, Unruhezustände und Schlafstörungen werden ebenfalls häufig mit Melisse behandelt.

Anwendung

Als Tee:

Melisse findet vor allem in Form von Tees Anwendung. Aufgrund der belebenden Wirkung können Sie Melissentee auch schon morgens trinken, während Sie direkt vor dem Schlafengehen lieber auf Baldrian oder Lavendel setzen sollten.

Melissentee: Am besten 3 TL Blätter mit ¼ Liter heißem Wasser übergießen und nach 10 Minuten Ziehzeit durch ein Teesieb geben. Sie können ohne Weiteres täglich mehrere Tassen trinken.

Als Tinktur:

Aber auch als Tinktur können Sie Melisse verwenden. Dann empfiehlt sich ein Ansetzen von 20 g der Blätter mit 150 ml an 70%-igem Alkohol. Lassen Sie das Ganze am besten für 10 Tage an einem warmen und dunklen Platz ziehen, danach abseihen. Täglich 2×20 Tropfen davon einnehmen.

Als Bad:

Melisse gibt es auch als Badezusatz – in diesem Fall 75 g Blätter mit 4 Liter kochendem Wasser aufgießen und nach 20 Minuten Ziehzeit abseihen und ins Badewasser geben.

Nebenwirkungen

Sollten Sie an einer Schilddrüsenerkrankung leiden, verwenden Sie Melisse bitte nicht ohne Rücksprache mit Ihrem Arzt. Bei der Anwendung in hoher Dosis kann sich Ihre Reaktionsfähigkeit vermindern.

Achten Sie generell darauf, dass Melissentee nicht zum Dauergetränk wird, sondern nur bei akuten Beschwerden genutzt wird. Die in der Pflanze enthaltenen Pyrrolizidinalkaloide könnten langfristig in großen Mengen gesundheitsschädlich sein.


4. Johanniskraut

Im Volksglauben hat man dem Johanniskraut früher nachgesagt, dass es das Sonnenlicht speichere und es als Tee getrunken wieder abgebe. Wie auch immer man zu solchen Vorstellungen stehen mag – auf alle Fälle ist das Johanniskraut ein effektives Naturheilmittel.

Wirkung

Es wirkt gegen Antriebslosigkeit, Traurigkeit und sogar bei Winter-Depressionen.

Diese positiven Wirkungen sind auf den Einfluss des Johanniskrauts auf den Serotoninhaushalt zurückzuführen, woraus eine stimmungsaufhellende Wirkung resultiert. Deshalb eignet sich Johanniskraut auch hervorragend bei psychovegetativen Störungen, Stimmungsschwankungen, nervöser Unruhe, Angst oder auch bei Schlafstörungen.

Auch Stresssymptome wie Konzentrationsstörungen können durch Johanniskraut gelindert werden. Es soll außerdem eine durch starke Emotionen oder Stress verursachte hohe Körpertemperatur senken.

Anwendung

Als Extrakt:

Johanniskraut erhalten Sie u. a. in Form von Kapseln oder Tabletten. Bei innerlicher Anwendung empfiehlt sich eine Tagesdosis von 2–4 g, in anderen Formen sind es 0,2–1,0 mg.

Als Öl:

Ebenfalls typische Anwendungsformen sind Johannisöle. Für das sogenannte Rotöl machen Sie Folgendes: 125 g der Blüten fein zerstoßen und dann mit ½ Liter reinem Olivenöl vermischen. Alles in eine ungefärbte Glasflasche hinein und an einen sonnigen Platz stellen. Täglich aufschütteln – nach frühestens 6 Wochen können Sie das leuchtend rot gefärbte Öl durch ein Leinen- oder Baumwolltuch filtern und gut auspressen. Danach in eine lichtgeschützte Flasche füllen.

Als Tinktur:

Eine Tinktur erhalten Sie mit 20 g zerkleinerten Blüten und 150 ml 70%-igem Alkohol. Nach 10 Tagen Ziehzeit wird auch die Tinktur gefiltert und lichtgeschützt verwahrt. Zu den Mahlzeiten etwa 8-10 Tropfen einnehmen.

Als Tee:

Johanniskrauttee ist in der Apotheke als Teebeutel erhältlich, aber Sie können den Tee auch selbst mit frischen oder getrockneten Blättern zubereiten. Dafür nehmen Sie etwa 2 TL Blätter und übergießen diese in einer Tasse mit kochendem Wasser. 10 Minuten ziehen lassen und fertig ist der Johanniskrauttee. 1–2 Tassen morgens und abends, aber nicht mehr.

Nebenwirkungen

Durch die Einnahme von Johanniskraut kann es zu einer Überempfindlichkeit der Haut kommen, wodurch beim Sonnenbaden die Sonnenbrandgefahr steigt.

Wichtig: nicht mehr als 5 Tassen Johanniskrauttee täglich! Nebenwirkungen durch eine Überdosis zeigen sich durch Benommenheit, Allergien oder Hautreaktionen, Magen-Darm-Beschwerden und Lichtempfindlichkeit.

Kinder und Schwangere sollten die Anwendung von Johanniskraut generell meiden.

Vorsicht: Eine Tasse Tee kann nicht schaden, aber Präparate aus der Apotheke sind hoch dosiert und können Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten verursachen – unter anderem mit der Anti-Baby-Pille, Aspirin und Antidepressiva. Nehmen Sie Johanniskraut-Präparate also nur nach Rücksprache mit Ihrem Arzt ein!


5. Hopfen

In Hopfen finden sich zahlreiche Wirkstoffe, die beruhigende und schlaffördernde Eigenschaften haben.

Wirkung

Hopfen besteht aus einer Vielzahl ätherischer Öle sowie einiger Bitterstoffe. Letztere sind für die positiven Wirkungen auf unser Gehirn verantwortlich. Hopfen wirkt zwar etwas milder als Baldrian, aber sein Hauptanwendungsgebiet sind ebenfalls Einschlafstörungen und nervöse Unruhe.

Auch bei leichteren Angststörungen und Überanstrengung kann das Kraut gut helfen.

Anwendung

Als Extrakt:

Hopfen als Naturheilmittel gibt es in Form von Kapseln, Dragees, Tabletten oder Tropfen (die tägliche empfohlene Dosis beträgt 0,5 g).

Als Tee:

Doch aus Hopfen kann man auch Tee herstellen: einfach 1 TL Hopfenzapfen mit ¼ Liter kochendem Wasser aufgießen und dann 15 Minuten ziehen lassen. Abseihen und am besten 1 Stunde vor dem Schlafengehen trinken. Tipp: Der Tee ist recht bitter – eine Kombination mit Lavendel oder Melisse ist möglich.

Als Gurgellösung:

Sie können Hopfen auch als Gurgellösung verwenden. Dazu 1 Handvoll Hopfenzapfen in 1 Liter kaltes Wasser geben und dann langsam aufkochen. Nach 15 Minuten Ziehzeit abseihen. Achtung: Vor dem Gurgeln etwas abkühlen lassen!

Als Tinktur:

Wenn Sie lieber eine Tinktur verwenden möchten, dann setzen Sie 10 g frische Zapfen in ¼ Liter 70%-igem Alkohol an und lassen alles in einer lichtundurchlässigen Flasche für 1 Woche ziehen. Anschließend können Sie die Tinktur in einer Dosis von 1 TL unverdünnt vor dem Schlafengehen einnehmen. Halten Sie sich an die Tagesdosis von 12 ml.

Nebenwirkungen

Hopfen kann Allergien auslösen und auch Kopfschmerzen, Bindehautentzündung, Hautausschläge und Schläfrigkeit verursachen. Tritt eine derartige Überempfindlichkeit auf, sollten Sie Hopfen meiden. Auch Kinder unter 12 Jahren sollten vorsichtshalber keinen Hopfen verwenden – dasselbe gilt für die Zeit während der Schwangerschaft und auch beim Stillen.

Hinweis: Auch wenn Hopfen in Bier enthalten ist, sollten Sie, um nervöse Unruhe und Stress zu bekämpfen, lieber auf Hopfentees oder andere Präparate zurückgreifen als auf das Feierabendbier.


Fazit:

Testen Sie die verschiedenen Naturheilmittel. Entscheiden Sie sich dann für jenes, das Ihnen offensichtlich guttut.

Um es abschließend nochmals zu wiederholen: Zuerst sollten Sie aber immer versuchen, die Stressursachen zu eliminieren oder zumindest zu reduzieren. Bis dies gelingt, können Sie mit den Naturheilmitteln die Stresssymptome auf sanfte Weise lindern und Ihre Stressresistenz stärken.

Über den Autor:

Dr. Walter Mair ist Apotheker und betreibt mit seinem Team seit 2003 die Stadtapotheke in der südtiroler Gemeinde Sterzing, die u. a. eine umfangreiche Palette an Naturheilmitteln anbietet.

 

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