Interview mit Monika Birkner: Was bringt mir Coaching?

Viele Menschen wollen neue Wege beschreiten oder wenigstens die Weichen dazu stellen. Das ist gar nicht so einfach. Denn dazu muss man häufig einiges aufgeben, sich auf Neues, Ungewohntes einlassen und Unsicherheiten auf sich nehmen.

Hier kann ein Coach eine große Hilfe sein, also eine Art Änderungsprozess-Begleiter. Und weil sich nicht jeder unter Coaching etwas vorstellen kann, habe ich dazu die renommierte Business-Coachin Monika Birkner befragt:


Zur Person:

Monika Birkner

Monika Birkner arbeitet als Coach und Consultant mit Klienten in der ganzen Welt. Sie ist Autorin der Bücher Wachstumsstrategien für Solo- und Kleinunternehmer, Kurswechsel im Beruf und zahlreicher Beiträge in renommierten Zeitungen sowie Radio und Fernsehen. Sie gewann unter anderem den ersten Preis im Trend-Innovationswettbewerb des Zukunftsinstitutes von Matthias Horx. Monika Birkner betreibt auch ihr eigenes Business-Blog


Frau Birkner, heute ist Coaching ja schon ein Modewort geworden. Für alles und jeden bieten sich Coaches an. Wo liegt der klassische Coaching-Einsatz?

Ursprünglich kennt man Coaching aus dem Sport, wo es zur Leistungssteigerung eingesetzt wurde. Diese Prinzipien haben seit einigen Jahren auch in die Wirtschaft Einzug gehalten. Mittlerweile – da stimme ich Ihnen zu – wird der Begriff „Coaching“ fast schon inflationär gebraucht.

In welcher Situation würden Sie mir einen Coach empfehlen?

Ein Coach kann in verschiedenen Situationen hilfreich sein. Häufige Anwendungsfälle sind zum Beispiel Unterstützung bei der Zielklärung oder zur Lösung kritischer Entscheidungs-, Konflikt-  oder Problemsituationen. Auch als Begleitung bei der Erreichung langfristiger Ziele oder bestimmter Verhaltensänderungen hat sich Coaching bewährt. Und darüber hinaus immer dann, wenn man das Gefühl hat, im eigenen Saft zu schmoren und die Perspektive von außen sucht.

Was ist das Ziel eines Coachings?

Die Zielsetzung variiert je nach Situation. Manchmal ist für einen Klienten das Ziel erreicht, wenn er innere Klarheit gewonnen hat. In anderen Fällen geht es auch um äußerlich sichtbare Ergebnisse, die sich zum Beispiel als Umsatzsteigerungen, als geänderte Verhaltensweisen gegenüber Kollegen, Mitarbeitern oder Kunden oder als eine gelungene Vorstandspräsentation manifestieren.

Was kann Coaching und was kann es nicht bzw. was kann ich mir davon erwarten?

Mit Coaching kann man sehr viel erreichen. Doch es spielen dabei auch die Rahmenbedingungen eine Rolle, zum Beispiel die Dauer und Intensität des Coachings, die Veränderungsbereitschaft und Mitwirkung des Klienten, die „Chemie“ zwischen Coach und Klient, die Angemessenheit des konkreten Coachingprozesses im Hinblick auf die Ziele und Ausgangsbedingungen und einiges mehr.

Wie läuft ein Coaching ab, was passiert da genau? Gibt es ein Grundschema?

Am Anfang stehen die Zielklärung und die Analyse der Ausgangssituation. Aus dem sich daraus ergebenden Spannungsfeld entwickelt sich der weitere Prozess. Zwischendurch sollte immer wieder überprüft werden, ob die ursprünglichen Ziele nach wie vor relevant sind und welche Fortschritte es gibt. Je nachdem findet dann eine Kurskorrektur statt. Am Ende steht die Evaluation der Ergebnisse und des Prozesses.

Was die vertraglichen Regelungen betrifft, hängen die Einzelheiten davon ab, ob der Coach vom Unternehmen beauftragt wird oder vom Klienten selbst.

Was macht für Sie persönlich ein guter Coach aus?

Ein guter Coach kennt seine Stärken und seine Grenzen. Er versucht nicht, alles zu machen, sondern lehnt notfalls auch Aufträge ab.

Wichtig ist, dass der Coach zum Klienten und dessen Situation passt. Von einem Managercoach erwarte ich, dass er eigene Managementerfahrung hat. Ein Bewerbungscoach sollte aus eigener Erfahrung wissen, wie Personalentscheidungen gefällt werden.

Darüber hinaus ist wichtig, dass der Coach imstande ist, die Persönlichkeit und Situation seines Klienten zu erfassen, so dass der Klient sich „gesehen“ und verstanden fühlt, und er flexibel seinen Methodenkasten einsetzen kann, damit die vereinbarten Ziele erreicht werden.

Nicht zu vergessen ist die Rolle der Intuition. Die besten Ergebnisse kommen dann zustande, wenn sowohl der Coach als auch der Klient/die Klientin in Verbindung mit ihrer Intuition sind.

In welchem Bereich genau bieten Sie Coaching an?

In meinen Coachings geht es um die Vielfalt der Themen, die Unternehmer, Selbstständige und Führungskräfte im beruflichen Alltag zu bewältigen haben. Mein Background – langjährige Managementerfahrung auf Geschäftsleitungsebene – prädestiniert mich für strategische Themen einschließlich der Weiterentwicklung von Geschäftsmodellen, Führungsthemen und dergleichen.

Letztlich vermischen sich in meiner Arbeit Coaching und Beratung. Meine Klienten schätzen es, dass ich nicht der „typische“ Coach bin, sondern sie in mir auch eine Sparringspartnerin für die inhaltliche Auseinandersetzung haben.

Weil Sie von einer Mischung aus Coaching und Beratung sprechen. Worin besteht überhaupt der Unterschied zwischen Coaching und Beratung?

In der Regel sieht man die Rolle des Coaches darin, dem Klienten zu helfen, eigene Lösungen zu finden, während der Berater dem Klienten konkrete  Vorschläge macht oder Empfehlungen gibt.

Unter anderem zählen auch Telefon- und E-Mail-Coaching zu Ihren Leistungen. Für wen ist diese Art geeignet?

Das Telefoncoaching ist ideal, wenn der Klient weiter entfernt lebt, weil es Reiseaufwand erspart. Es lässt sich zeitlich flexibel einsetzen, notfalls am frühen Morgen, bevor man ins Büro geht. Was die Themen betrifft, die am Telefon behandelt werden können, gibt es nach meiner Erfahrung keine Einschränkungen. Das mag aber auch daran liegen, dass ich spezielle Methoden entwickelt habe, die der Telefonsituation Rechnung tragen.

Das E-Mail-Coaching wird von manchen Klienten gewünscht, weil sie gern in Ruhe über die Inhalte reflektieren.

Darüber hinaus spielt das E-Mai-Coaching in manchen meiner längerfristigen Coachingprogramme eine Rolle. In diesen Programmen nutzen wir E-Mails neben anderen Instrumenten wie zum Beispiel Telefonkonferenzen, Internetforum, individuelle Telefoncoachings.

Wie bei einem Arzt spielt neben der fachlichen Kompetenz auch die Vertrauensbasis eine wesentliche Rolle. Wie schaffen Sie beim doch sehr distanzierten und unpersönlichen E-Mail-Coaching dieses Vertrauen herzustellen?

Das Medium spielt nach meiner Erfahrung eine untergeordnete Rolle. Die Haltung ist entscheidend. Der Klient spürt, in welcher Haltung ich ihm gegenübertrete, auch via E-Mail und Telefon. Er merkt, wie intensiv ich mich mit den Themen auseinander gesetzt habe und wie sorgfältig ich meine Antwort formuliert habe – bis hin zu Äußerlichkeiten wie Rechtschreibung.

Darüber hinaus wirkt der Zeitfaktor. Je länger eine Zusammenarbeit dauert, umso mehr kann sich Vertrauen entwickeln.

Haben Sie ein oder zwei konkrete Beispiele, wo Sie Personen – ohne Namen zu nennen – als Coach begleitet haben? Vielleicht ein Beispiel für Telefon- oder E-Mail-Coaching und eines für Präsenz-Coaching.

Gerne. Für bestimmte Themen eignet sich Präsenzcoaching in Form eines Wachstumstages sehr gut. Ein Beispiel: Eine selbstständige Beraterin möchte sich über ihre weitere Ausrichtung klar werden. Sie hat derzeit ein „Bauchladen-Angebot“ und möchte Schwerpunkte setzen, die einerseits zu ihren Stärken passen und andererseits am Markt die besten Erfolgschancen haben. Zusätzlich gibt es noch weitere „Baustellen“, die teils den geschäftlichen und teils den privaten Bereich betreffen und sie in ihrer Produktivität behindern.

Nach einem telefonischen Vorgespräch erhält die Klientin einen auf ihre Situation abgestellten Fragenkatalog. Anhand der Antworten bereiten wir uns beide auf den Tag vor. Im Laufe des Treffens erarbeiten wir ein Geschäftsmodell, das den o. g. Anforderungen entspricht. Außerdem entwickeln wir diverse Lösungsalternativen für die weiteren „Baustellen“ sowie einen Maßnahmenplan für die weiteren Schritte.

Aufgrund der gewonnenen Klarheit nimmt die Klientin die Umsetzung sehr zügig in Angriff und hat nach wenigen Wochen einen deutlichen Fortschritt erzielt, der sich sowohl in ihrer persönlichen Zufriedenheit als auch in ihrer Umsatzentwicklung äußert.

Ein Beispiel für Telefoncoaching: Ein Fertigungsleiter in einem mittelständischen Produktionsbetrieb ist neu in seiner Rolle. Gleichzeitig befindet sich das Unternehmen in Turbulenzen und es besteht hoher Ergebnisdruck. Der Klient fühlt sich hoffnungslos überfordert. In regelmäßigen Telefonsessions erarbeiten wir Strategien, wie er unter den schwierigen Bedingungen die geforderten Produktions- und Qualitätsziele erreicht, wie er sein Team organisiert und führt und wie er sich vom technischen Spezialisten zur Führungskraft entwickelt. Zusätzlich stehe ich dem Klienten als „Hotline“ für dringende Themen zur Verfügung.

Es ist kein einfacher Prozess, da wir auf vielen Ebenen gleichzeitig arbeiten müssen und die Turbulenzen im Unternehmen kein Ende nehmen. Doch die Entwicklung geht in die richtige Richtung. Der Klient wird souveräner. Er gestaltet sein Umfeld mehr und mehr aktiv, setzt zum Beispiel auf seine Situation angepasste  Instrumente zur Mitarbeiterführung und Selbststeuerung ein. Die Produktionsleistung wird stabilisiert und damit auch seine Rolle im Unternehmen.

Nehmen wir an, ich suche einen Karriere-Coach. Der Austausch sollte per E-Mail erfolgen. Nun finde ich im Internet mehrere Anbieter. Nach welchen Kriterien selektiere ich die Angebote?

Hilfreich ist es, ein Anforderungsprofil zu entwickeln und die einzelnen Angebote damit zu vergleichen. Wenn es um Karrierecoaching geht, können dabei Kriterien eine Rolle spielen wie: Welchen beruflichen Hintergrund hat der Coach? Kennt er Ihre Branche? Versteht er Ihr Metier? Weiß er, wie Unternehmen und Personalabteilungen „ticken“?

Zusätzlich spielen „weiche“ Faktoren eine Rolle. Wie wirkt die Website des Coaches auf Sie? Ist Ihnen das Foto sympathisch? Welchen Eindruck haben Sie im persönlichen Erstkontakt?

Und nicht zuletzt spielen natürlich die konkreten Konditionen der Zusammenarbeit eine Rolle. Wie weit entsprechen diese dem, was Sie sich vorstellen?

Wie kann ich generell einschätzen, ob ein Coach auch tatsächlich etwas taugt?

Letztlich nur in der persönlichen Zusammenarbeit. Der Erfolg eines Coachings hängt davon ab, wie Sie mit dem Coach harmonieren. Wenn es zwischen Coach und Klient „fließt“, kann sich in sehr kurzer Zeit sehr viel zum Besseren verändern. Wenn die Zusammenarbeit schwergängig ist, wirkt sich das in der Regel auch auf die Ergebnisse aus.

In welchem Bereich bewegen sich die Kosten für ein Coaching bzw. in welchen Einheiten werden diese verrechnet?

In der Regel sollte ein Coachingprozess über einen längeren Zeitraum gehen, wenn nachhaltige Ergebnisse erreicht werden sollen. Je nach Ausgestaltung des Prozesses sind differenzierte Honorarregelungen möglich. Ein Gesamtbudget in vierstelliger Größenordnung sollte schon zur Verfügung stehen.

Herzlichen Dank, Frau Birkner!

Kommentare

  • Vielen Dank für dieses Interview. Die Antworten von Frau Birkner sind für Coaching-Suchende sehr hilfreich und beleuchten verschiedene Optionen des Coachings. Ich selbst habe mit ihr in Hongkong ein Telefoncoaching rund um meine Positionierung als Coach geführt und fand die Art und Weise sehr angenehm und nicht nur kopflastig. Für mich ist wichtig, dass in einem (Telefon-)Coaching auch die anderen Sinne angesprochen werden: Gefühle, innere Bilder …

    Gerade zu Beginn eines Coachingprozesses ist es wichtig, alle Fragen zu beantworten und ggfs. Bedenken zu äußern und damit den Coachingprozess zielführend und sympathisch zu gestalten. Manchmal reicht ein Gespräch für die Lösung des Anliegens, manchmal dauert der Prozess eben auch länger.

    petraschuseil antworten

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