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Lebensvision finden: Was will ich überhaupt?

Unter Lebensvision verstehe ich eine motivierende (konkrete) Vorstellung von einem Zustand/Status, den man im Leben erreichen will. So eine Lebensvision dient der eigenen Orientierung im Leben. Oder bildlich formuliert: Sie stellt den Leuchtturm dar, mit dessen Hilfe man auch bei widrigen Bedingungen das Ziel nicht aus den Augen verliert.

Dazu ein passendes Zitat von Erich Fromm (1900 – 1980), einem dt.-amerik. Psychoanalytiker und Philosophen:

Wenn das Leben keine Vision hat, nach der man strebt, nach der man sich sehnt, die man verwirklichen möchte, dann gibt es auch kein Motiv, sich anzustrengen.

Wer eine Lebensvision hat,

  • kennt die Richtung, die es einzuschlagen gilt,
  • dem fällt das Treffen von Entscheidungen leichter,
  • wird eher agieren als ständig zu reagieren.

Aber wie findet man seine Lebensvision?

Dazu stelle ich Ihnen eine Möglichkeit vor, die Ihnen dabei eine Hilfe sein kann. Gehen Sie am besten so vor:

Nehmen Sie sich eine Auszeit! Damit meine ich eine Auszeit vom Alltag. Das können ein paar Stunden oder auch mehrere Tage sein.

Ziehen Sie sich hierfür mit einem Notizbuch an einen Lieblingsplatz zurück – also an einen Ort, an dem Sie sich wohlfühlen. Wo Sie sich entspannen und Kraft tanken können.

Für mich ist so ein Platz beispielsweise eine Almhütte. Dorthin ziehe ich mich hin und wieder zurück, um meine Ziele bei Bedarf nachzujustieren oder neue Projekte zu planen. Dort werde ich von nichts und niemandem abgelenkt und kann mich vollkommen entspannen. Ich bin mit mir allein mitten in einer herrlichen Naturkulisse – mein Kraftplatz.

Gut, gehen wir jetzt einfach mal davon aus, Sie haben Ihren Kraftort gefunden und haben sich dorthin zurückgezogen. Sie sind vollkommen entspannt. Nun gilt es Antworten zu finden auf die Frage: Wo will ich in meinen Leben hin, was will ich noch erreichen?

Das kann mit folgendem Gedankenspiel gelingen:

Die Festrede

Stellen Sie sich vor, es ist Ihr 70. Geburtstag und es findet eine große Feier zu Ihren Ehren statt. Viele Menschen sind zu Ihren Fest gekommen. Alle Gäste gratulieren Ihnen persönlich. Stellen Sie sich diese Situation bildlich vor.

Nach dem Festmahl sitzen alle Gäste zufrieden zusammen. Jetzt wollen vier Gratulanten eine Rede halten. Diese vier Gäste werden über Sie sprechen – über Ihr Leben, über das, was Sie in Ihrem Leben erreicht haben und über Ihre positiven Eigenschaften.

Die vier Festredner sind:

  • jemand aus Ihrer Familie,
  • ein(e) gute(r) Freund(in),
  • jemand aus Ihrem Arbeitsumfeld,
  • jemand aus der Stadt oder Gemeinde, in der Sie leben, z. B. der Bürgermeister.

Was wollen Sie, dass diese Personen über Sie sagen?

Es geht hier nicht um das, was Sie glauben, was andere realistischerweise über Sie sagen, sondern es geht um Ihre Wunschvorstellung.

Die Frage ist: Was möchten Sie, dass andere Menschen über Sie und über Ihr Leben sagen, wenn Sie 70 sind?

Scheint Ihnen der 70. Geburtstag zu weit fern, nehmen Sie sich einfach einen anderen runden Geburtstag.

Schreiben Sie diese vier Reden in Ihr Notizbuch.

Ein weiteres Gedankenspiel, um sich seiner Lebensvision bewusst zu werden, habe ich hier beschrieben: die Reise mit der Zeitmaschine.

Hilfreich beim Bewusstmachungsprozess können auch folgende Ergänzungssätze sein. Nutzen Sie für die Ergänzungen wieder Ihr Notizbuch:

  • Wenn Geld und Zeit keine Rolle spielen würden, dann würde ich …
  • Was ich wirklich bereuen würde, wenn ich es nicht tue …
  • Meine Herzenswünsche – also alles, was ich in meinen Leben unbedingt erreichen, erfahren, erleben, haben will – sind …
  • Das mache ich mit großer Freude, dafür kann ich mich begeistern …
  • Davon habe ich bereits als Kind geträumt …
  • Diese Tätigkeiten geben mir viel Kraft und Befriedigung …

Mit diesen Gedankenexperimenten und den Ergänzungssätzen sollte sich Ihre Lebensvision schon etwas herauskristallisiert haben. Fassen Sie nun in Ihrem Notizbuch Ihren Lebenstraum, Ihre Lebensvision in wenigen Sätzen zusammen.

Zum Weiterlesen: 

Schmökern Sie in weiteren Beiträgen zum Thema „Zielerreichung“. Oder werfen Sie einen Blick auf das gesamte Themen-Menü.

Kommentare

  • Hallo Herr Heidenberger, danke für den inspirienden Artikel.
    Ergänzen kann ich nur noch die Wunderfrage: “Was würdest Du anfangen, wenn Du wüßtest, dass Du nicht scheitern kannst?”
    VG David Goebel

    • Vielen Dank für die schöne Ergänzung, Herr Goebel! Diese Frage gefällt mir sehr gut!

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