Wie meditative Auszeiten in Ihrem Alltag Platz haben

Ein Gastbeitrag von Katrin Linzbach:

Zur Person:

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Katrin Linzbach, Autorin und Coach, arbeitet als Inspirationsquelle für eine bewusste und sinnerfüllte Lebensgestaltung.

Sie hat ein Kartenspiel entwickelt, welches die kleinen Wunder des Alltags in 40 Tagen sichtbar macht:


Eigentlich wissen wir, dass uns kleine Auszeiten guttun würden. Doch irgendwie gehen sie in unserer Alltagshektik immer wieder unter. Erst muss noch dies erledigt werden, dann noch das, und dann ist der Tag schon wieder um. Morgen.

Die Folgen: Wir kommen abends immer öfter erschöpft nach Hause, vernachlässigen Hobbies, Familie und Freunde. Die Energie ist leer. Das muss nicht sein.

In diesem Artikel möchte ich Ihnen einige Möglichkeiten vorstellen, wie Sie eine meditative Auszeit in Ihren Alltag einbauen und zelebrieren können.

1. Beginnen Sie jetzt!

Ja – morgen ist auch noch ein Tag. Nur morgen kann nichts passieren. Handeln können Sie nur JETZT. Also warum nicht gleich starten?

Schließen Sie für drei Minuten Ihre Augen und konzentrieren Sie sich ganz auf Ihre Atmung. Ein und Aus. Ein und Aus. Tiefe, langsame, bewusste Atemzüge. Spüren Sie, wie sich Ihr Körper dabei immer mehr entspannt und alle Muskeln ganz weich werden.

Und – wie fühlen Sie sich jetzt? Drei Minuten Ruhe können wahre Wunder bewirken, richtig?

Ich empfehle Ihnen, diese kurze Übung wirklich zu machen, bevor Sie weiterlesen. Denn erst, wenn Sie körperlich spüren können, wie wohltuend eine kurze Auszeit ist, werden Sie auch alles daran setzen, mehr davon in Ihrem Alltag einzubauen.

2. Feste Zeiten im Kalender sind zu Beginn wichtig

Gerade zu Beginn ist es wichtig, auf Regelmäßigkeit zu achten. Noch hat Ihr Unterbewusstsein nicht abgespeichert, dass eine meditative Auszeit nun zu Ihrem Alltag gehört.

Reservieren Sie am besten gleich jetzt feste Termine in Ihrem Kalender. Morgens nach dem Aufstehen, in der Mittagspause oder während des Nachmittagstiefs. Hüten Sie diese Zeiträume wie Ihr größtes Geschenk. Ich meditiere beispielsweise morgens zehn Minuten im Anschluss an einige Yoga-Übungen.

3. Zehn Minuten am Tag

Es ist wie beim Sport – steigern Sie Ihre Zeiträume langsam und bewusst. Zu Beginn empfehle ich mit zehn Minuten am Tag zu starten. Wenn Sie sich damit wohlfühlen, können Sie den Zeitraum Schritt für Schritt ausdehnen.

Möglicherweise nehmen Sie sich in Zukunft alle drei Tage eine halbe Stunde und am Wochenende eine ganze Stunde meditative Auszeit. Vielleicht sind auch 2 x 15 Minuten der bessere Rhythmus für Sie. Probieren Sie selbst aus, was Ihnen guttut und vertrauen Sie Ihrem Gefühl.

4. Äußere Ruhe schafft innere Ruhe

Schalten Sie während dieser Zeit Handy, Telefon und E-Mails aus. Wirklich ganz aus. Sie erleichtern es sich selbst ungemein, wenn Sie nicht herausgerissen werden. Und die Welt geht nicht unter, wenn Sie mal nicht erreichbar sind.

5. Rituale erleichtern den Einstieg

Sie können Ihre Auszeit mit einem Ritual einläuten. Schließen Sie die Türe und reservieren Sie extra einen Stuhl oder eine Ecke des Raumes für Ihre Auszeit. Möglicherweise möchten Sie sich eine kleine Kerze anzünden.

Ein Ritual erleichtert es Ihrem Unterbewusstsein, sich schneller auf die Auszeit einzustellen und es wird Ihnen von Mal zu Mal leichter fallen. Vielleicht sind Sie auch eher für eine Auszeit mit Bewegung. Überlegen Sie sich eine schöne Strecke für einen Spaziergang, auf der Sie möglichst ungestört gehen können.

6. Binden Sie Ihr Umfeld mit ein

Je nachdem, wo und wann Sie sich die Auszeit gönnen, kann es hilfreich sein, Ihr Umfeld darüber zu informieren. Es wird möglicherweise ein wenig dauern, bis Kollegen, Freunde oder Familie sich daran gewöhnt haben und Ihre Auszeit respektieren. Bleiben Sie konsequent.

Es ist die Zeit, in der Sie Kraft tanken und sich selbst etwas Gutes tun. Und das kommt auch Ihren Liebsten zugute.

7. Ihre Atmung kann Sie unterstützen

Die Atmung ist eine ganz wundervolle Unterstützung, sich Stück für Stück tiefer in seine Auszeit fallen zu lassen, bei sich selbst anzukommen und zu entspannen.

Sie können Ihre Atemzüge zählen – wie lange ist Ihre Einatmung, wie lange Ihre Ausatmung? Oder Sie können sich auf die Nasenflügel konzentrieren und beobachten, wie die Einatmung etwas kühler ist als die Ausatmung. Spüren Sie, wie Ihr Körper dabei mehr und mehr entspannt.

8. Denken Sie jeden Gedanken zu Ende

Gerade zu Beginn einer meditativen Auszeit scheinen die Gedanken besonders laut zu werden. Sie sind es nicht gewöhnt, zur Ruhe zu kommen und verteidigen ihr Revier. Und das ist auch o. k. – sie sind ja da, um zu denken.

Wenn Sie das Gefühl haben, nicht aus dem Gedankenstrom aussteigen zu können, denken Sie jeden Gedanken zu Ende. Sie werden merken, wie plötzlich eine kleine Gedankenleere in Ihrem Kopf entsteht. Bis der nächster Gedanke daraus hervortritt. Denken Sie auch diesen wieder zu Ende. Die Lücken zwischen den Gedanken werden immer größer und Sie werden Schritt für Schritt lernen, sich voll auf die Stille einzulassen.

9. Machen Sie den 30 Tage-Test

Wir brauchen in der Regel etwas Zeit, um neue Gewohnheiten in unserem Leben fest zu verankern. Gerade zu Beginn kann es sich etwas holperig anfühlen.

Geben Sie sich 30 Tage Zeit und bauen Sie die meditative Auszeit wirklich jeden Tag in Ihren Alltag ein. Wenn Sie dann merken, dass es Sie nicht weiterbringt, können Sie damit wieder aufhören – aber wirklich erst dann. Geben Sie Ihrer persönlichen Auszeit die Chance, die sie verdient!

10. Bleiben Sie humorvoll

Ich kenne das aus meinem früheren Leben: Wenn ich mir etwas vorgenommen habe, dann sollte es gleich richtig funktionieren. Wenn dem nicht so war, habe ich schnell alles hingeschmissen.

Die meditativen Auszeiten sollen Ihnen Entspannung und Ruhe schenken und nicht zusätzlichen Erfolgsdruck auslösen oder zur Pflicht werden. Wenn Sie merken, dass es einige Tage untergegangen ist, nehmen Sie es mit Humor und fangen Sie einfach erneut an.

Wenn Sie merken, dass es Sie stresst, dann schauen Sie, was genau den Stress auslöst. Fehlt Ihnen die Zeit? Machen andere Ihnen den Stress, wenn Sie sich Kraftquellen in Ihren  Alltag einbauen? Ist die Stimme besonders laut, die immer auf Action gepolt ist? Spüren Sie in sich hinein und wandeln Sie Ihre Auszeit so ab, dass Sie Ihnen guttut.

Ich wünsche Ihnen ganz wundervolle Erfahrungen mit Ihrer persönlichen Auszeit.

Ihre Katrin Linzbach

Kommentare

  • Vielen Dank für diesen Beitrag!
    Ich bin Trainerin für Stressbewältigung und arbeite in Firmen mit Menschen, die viel denken müssen.
    Und ich kann bestätigen, daß aller Anfang schwer ist.
    Und gerade diese Tipps helfen den Menschen sehr gut.
    Alles Liebe
    Heike Bienia

    Heike Bienia antworten
  • Gedanke zu Ende denken ? Naja ……!!
    Gedanken wahrnehmen – und loslassen – und wenn die Gedanken immer wieder auftauchen – ganz laut STOP sagen – sich eventuell bewegen – und einfach weiteratmen …….

    Ich bin ausgebildete Meditationslehrerin.

    Heide Decurtins antworten
  • Liebe Heide,

    danke für ihre Ergänzung. Bei Gedanken, die mich regelrecht quälen und immer wieder auftauchen, hilft mir der Gedankenstopp auch sehr gut. Den Tipp, Gedanken bis zum Ende zu denken, habe ich von Frank Kinslow und das hat mir den Einstieg in meine Meditationspraxis sehr erleichtert.

    Viele liebe Grüße,
    Katrin

    Katrin Linzbach antworten

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