Introvertierte, extrovertierte Menschen – Wissenswertes, ihre Stärken und Schwächen

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Weder gut noch schlecht …

Etwas gleich vorweg:

Es gibt zufriedene, glückliche, erfolgreiche und auch berühmte introvertierte Menschen!
Und es gibt zufriedene, glückliche, erfolgreiche und auch berühmte extrovertierte Menschen!

Introvertiertheit ist ebenso wenig gut oder schlecht wie Extrovertiertheit. Es sind Wesensarten, die beide ihre Stärken haben, die es gilt, gezielt einzusetzen – wobei insbesondere introvertierte Menschen sich ihrer spezifischen Stärken und Fähigkeiten oft gar nicht bewusst sind.

Introvertiert, extrovertiert: 6 wissenswerte Aspekte

Im Folgenden 6 interessante Aspekte sowie einige Besonderheiten sowohl der introvertierten als auch der extrovertierten Wesensart. Vielleicht ist die eine oder andere Aha-Erkenntnis dabei, die dazu führt, dass Sie sich selbst und Menschen in Ihrem Umfeld besser kennenlernen und zukünftig aus einer neuen Perspektive sehen.

1. Man spricht von Introversion & Extraversion

Umgangssprachlich ist häufig von Introvertiertheit und Extrovertiertheit die Rede. Die korrekten Fachbegriffe lauten Introversion (Introvertiertheit) und Extraversion (Extrovertiertheit).

Die Unterscheidung dieser Persönlichkeitsmerkmale und damit auch die Benennung gehen auf Carl Gustav Jung (1875-1961), den Begründer der analytischen Psychologie, zurück.

Worin sie sich unterscheiden

Laut Jung unterscheiden sich diese zwei Wesensarten dadurch, wie sie mit ihrer Umwelt und in ihrem Umfeld interagieren.

Bei extrovertierten Menschen ist die Haltung eher nach außen gerichtet, also der Außenwelt zugewandt. Introvertierte Menschen richten ihre Aufmerksamkeit mehr nach innen.

Introvertierte – auch kurz Intros genannt – werden von anderen häufig als zurückhaltend, ruhig, auch als stille Menschen wahrgenommen. Sie können aber (in einer kleineren Runde) durchaus aus sich herausgehen. Intros brauchen ihren Rückzugsort, können gut alleine sein und fühlen sich in einer ruhigen Umgebung am wohlsten.

Extrovertierte (Extros) werden als kommunikativ, aktiv und energisch wahrgenommen, die gerne im Mittelpunkt stehen und auch das Rampenlicht nicht abschreckt.

2. Dann gibt es noch die Ambivertiertheit 

Ambivertierte Personen – auch Zentrovertierte genannt – zeichnen sich durch ein besonders flexibles und stabiles Verhalten aus und können sich gut anpassen. Sie sind weder offenkundig introvertiert noch extrovertiert.

Ambivertierte fühlen sich beispielsweise bei großen Menschenansammlungen durchaus wohl, können aber auch gut alleine sein.

Die Ausprägung der Wesensarten lässt sich vereinfacht auf einer Skala bildlich darstellen:

introvertiert-extrovertiert

Wo schätzen Sie sich auf der Skala ein?

3. Introvertierte und Extrovertierte – unterschiedliche Wohlfühl- und Belastungsfaktoren

Intros und Extros brauchen jeweils ein anderes Umfeld, unterschiedliche Situationen und Bedingungen, um sich wohlzufühlen und um optimal zu „funktionieren“.

Was für einen Introvertierten nervend und belastend sein kann, mag für die extrovertierte Person eine stimulierende, genussvolle Situation darstellen. Und was dem einen hilft, die Energietanks wieder aufzuladen, kann für den anderen energieraubend sein.

Beispiel:

Die extrovertierte Person mag es, im Mittelpunkt zu stehen, genießt es förmlich, z. B. auf einer Feier die Blicke auf sich zu ziehen, und wird auch Möglichkeiten suchen, um sich entsprechend zu präsentieren. Je mehr Menschen ihr Aufmerksamkeit widmen, umso besser.

Die introvertierte Person hingegen meidet es, im Mittelpunkt zu stehen und sich zu präsentieren, es macht sie eher nervös, sie fühlt sich dabei unwohl. Introvertierte ziehen sich lieber zurück, nehmen die Position des stillen Beobachters ein oder bevorzugen die Unterhaltung in einer kleineren Runde.

Es kommt natürlich auch darauf an, wie stark jeweils die Introversion und Extraversion ausgeprägt sind (s. obige Grafik).

Beide werden das Umfeld, die Situation, die Veranstaltung etc. mehr oder weniger bewusst und ihrem Persönlichkeitszug entsprechend wählen.

4. Sie kommen introvertiert oder extrovertiert zur Welt

Introversion und Extraversion sind eine angeborene Veranlagung, auf die allerdings das soziale Umfeld, die Erziehung sowie prägende Erlebnisse weiter Einfluss nehmen können. Das heißt, Sie kommen bereits introvertiert, zentrovertiert oder extrovertiert auf die Welt.

Die Entwicklung in die eine oder andere Richtung kann beispielsweise durch die Erziehung weiter ausgeprägt werden.

Aber aus einem introvertierten wird niemals ein extrovertierter Mensch, und umgekehrt.

Beide können sich zwar in einer bestimmten Situation gegensätzlich verhalten, aber in ihrer Wesensart werden sie sich nicht ändern.

5. Den Lauten gehört die Welt, oder?

Den Lauten gehört die Welt – so oft der allgemeine Eindruck, der wohl darauf beruht, dass die Extrovertierten in der Regel die Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Wissenschaftler gehen allerdings von Schätzungen aus, dass über ein Drittel bis die Hälfte der Weltbevölkerung introvertiert veranlagt ist.

6. Introvertiert ist nicht gleich schüchtern!

Nicht selten wird Introvertiertheit mit Schüchternheit gleichgesetzt.

Aber ein introvertierter Mensch muss noch lange nicht schüchtern sein.

Unter Schüchternheit versteht man die Unsicherheit/Ängstlichkeit im Umgang und in Begegnungen mit (nicht vertrauten) Menschen. Diese Unsicherheit resultiert häufig aus der Angst vor Ablehnung oder Versagen.

Während introvertierte Menschen kein sonderliches Verlangen haben, mit anderen in Kontakt zu kommen, würden schüchterne Menschen durchaus gerne mit anderen ungezwungen in Kontakt treten, trauen sich allerdings nicht bzw. tun sich damit schwer.

Schüchternheit lässt sich ablegen, Introvertiertheit nicht

Während die Wesensarten Introversion und Extraversion angeboren sind, gilt dies für die Schüchternheit nicht. Schüchternheit ist eine – in der Regel von klein auf – „antrainierte Verhaltensweise“ meist basierend auf persönlichen (negativen) Erfahrungen und sich wiederholenden Gedankenmustern.

Das heißt: Schüchternheit kann (z. B. durch Training) abgelegt werden, hingegen kann sich eine introvertierte Person nicht in eine extrovertierte ändern.


Buch-Tipp für Introvertierte:


Auch Kindern kann es helfen, …

… wenn sie wissen, dass es eben „lautere“ und „leisere“ Menschen gibt. Denn insbesondere Kinder und Jugendliche suchen Vorbilder, um sich daran zu orientieren. Dabei üben (extrovertierte) Personen, die im Mittelpunkt stehen, eine reizvolle Vorbildfunktion aus.

Wollen introvertierte Kinder den extrovertierten nacheifern, kann dies zu einem inneren Konflikt führen. Denn wie bereits oben erwähnt, ist Introversion angeboren und deshalb wird ein introvertiertes Kind niemals ein extrovertiertes (auch wenn es sich die Eltern vielleicht wünschen). Aber ein introvertiertes kann natürlich genauso ein starkes, selbstbewusstes Kind werden/sein.

Daher obliegt es auch den Eltern, ihren introvertierten Kindern bewusst zu machen, dass es eben solche und solche gibt und dass beide ihre Stärken haben – ohne dabei eine Wertung vorzunehmen!

Die Herausforderung einer Führungskraft

Auch Vorgesetzten sollten diese spezifischen Stärken der genannten Wesensarten bewusst sein. Denn generell (nicht nur in Bezug auf die Wesensart) gilt: Gelingt es ihnen, Mitarbeiter entsprechend ihrer besonderen Fähigkeiten und Stärken optimal im Unternehmen einzusetzen, stellt das eine Win-win-Situation dar:

  • für die Mitarbeiter, weil sie die Aufgaben abgestimmt auf ihre spezifischen Stärken besser erledigen, sich dadurch profilieren können und Anerkennung erfahren, was wiederum zur Motivation und Leistungsbereitschaft beiträgt,
  • für das Unternehmen, weil motivierte und leistungsbereite Mitarbeiter wesentlich zum Erfolg beitragen.

Beispiel:

Wird eine extrovertierte Person als Verkäufer eingesetzt, wird diese mit großer Wahrscheinlichkeit besser verkaufen und mehr Kunden akquirieren als eine introvertierte Person, die nicht so kontraktfreudig ist und ungern auf Leute zugeht.

Intros & Extros – beide haben ihre Stärken und Schwächen

Im Folgenden eine Auflistung möglicher (!) spezifischer Stärken und Schwächen. Vielleicht erkennen Sie sich in einigen Punkten selbst wieder.

Indem Sie diese abhaken, werden Ihnen Ihre Stärken besser bewusst. Klicken Sie hierzu einfach in das entsprechende Kästchen.

Stärken der Introvertierten (Intros)

Zu ihren mehr oder weniger ausgeprägten Stärken zählen:

pxb-introvertiert

Stärke der Intros: Sie sind gute Zuhörer und wählen ihre Worte mit Bedacht – eine gute Basis für einen wertvollen Austausch.


Schwächen der Intros

Im Vergleich zu extrovertierten Personen:


Stärken der Extrovertierten (Extros)

pxb-extrovertiert

Stärke der Extros: Ihnen fällt das Präsentieren leicht (auch vor großem Publikum) – z. B. sich selbst, eine Idee, ein Produkt.


Schwächen der Extros


Online-Test: Sind Sie introvertiert, extrovertiert oder ambivertiert?

Abschließend noch ein Online-Test, mit dem Sie sich selbst ein Bild davon machen können, inwieweit Ihr Wesenszug introvertiert, extrovertiert oder ambivertiert ausgeprägt ist:

» Online-Test


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Kommentare

  • Lobster

    Interessantes Thema gut erklärt!

    Aus eigener Erfahrung bei uns in der Firma kann ich sagen, dass gerade die Extrovertierten meist die sind, die sich in Meetings und überall wichtig machen.

    Hab den Test gemacht und bin laut Ergebnis eindeutig introvertiert, aber das habe ich auch schon vorher gewusst.

    Lobster antworten
  • Beate

    Lieber Herr Heidenberger,

    wieder ein sehr schöner Artikel. Vor allem den Hinweis zu den Kindern finde ich sehr sehr wichtig, denn oft sind es genau die Eltern und vor allem die Väter, die wollen, dass ihr Kind auch mal etwas “wilder” ist und dadurch Druck auf das Kind ausüben. Dass das Kind aber introvertiert und deswegen etwas ruhiger ist als andere laute und dieses Introvertiertsein angeboren und nicht änderbar ist, verstehen oder wissen sie nicht.

    LG

    Beate

    Beate antworten
  • gogo

    die beschreibung von schüchternheit und ihr beispiel mit dem kontakttreten finde ich gut. für mich war schüchtern und introvertiert immer das gleiche.

    gogo antworten
  • Dr. Scharmann

    Guter Artikel, wobei noch zu erwähnen wäre, dass dieses Modell von Jung auch als Grundlage für später entwickelte Persönlichkeitsmodelle (PEN-Modell, FFM-Modell, MSCN-Modell, …) diente. Die sollten Sie hier der Vollständigkeit halber in Ihrem Artikel noch ergänzen.

    Dr. Scharmann antworten
  • J.Tack

    Ein extrovertierter Mensch gewinnt Energie beim Umgang mit anderen Menschen,
    ein introvertierter Mensch verliert Energie beim Umgang mit anderen Menschen,

    ein extrovertierter Mensch verliert Energie, wenn er alleine ist,
    ein introvertierter Mensch gewinnt Energie, wenn er alleine ist.

    Und beide streben danach, ihren Energiehaushalt zu optimieren.

    J.Tack antworten
  • Christa

    Wenn ich mich auf den Artikel und auf den Kommentar von @J.Tack beziehe, so muss ich als Tochter einer extrem introvertierten Mutter sagen, dass ich das ganze Leben emotional verhungert bin.

    Introvertierte Menschen, wenn sie kein Bedürfnis haben nach Kontakt mit anderen, sollten m.M.n. auch gar keine Beziehungen eingehen oder Therapie machen, denn der Partner leidet und bekommt keine Zuwendung, Nähe, Streicheln und leidenschaftliche Sexualität, und dem Partner erfriert fast das Blut unter dieser Introvertiertheit, die er als Eiseskälte empfindet.

    Hat denn ein introvertierter Mensch keine ganz normalen menschlichen Bedürfnisse nach Gesellschaft, Kommunikation, Akzeptanz, Nähe, Zärtlichkeit, Liebe? Warum lässt er es sich selbst nicht gut gehen und meidet die Menschen wie die Pest?

    Es ist für die Kinder eine Katastrophe, eine solche Mutter oder einen solchen Vater zu haben und ebenfalls für erwachsene Menschen, einen solchen Partner zu haben, weil man mit diesen Menschen nie emotional warm und innig wird.

    Diese Menschen streicheln niemanden, umarmen niemanden, küssen niemanden von sich aus! Sie sind extrem passiv, und würden offenere geselligere Menschen nicht auf sie zugehen, so würden sie selbst verwelken und nicht die Erfahrung machen, wie schön es ist, wenn man geliebt und in Liebe umarmt wird. Wie wohltuend und beglückend die menschlichen Beziehungen sind.

    Ob sie selbst darunter leiden, weiss ich nicht, jedenfalls leidet das Umfeld viel mehr unter ihnen, Kinder und Partner, weil sie auch ihre Gedanken und Gefühle gar nicht äussern.

    Christa antworten
    • Liebe Christa,

      danke für Ihren Kommentar!

      Bitte nicht missverstehen, aber die von Ihnen offensichtlich vermisste Zuwendung hat nichts mit Introvertiertheit oder Extrovertiertheit zu tun. Und natürlich können introvertierte Menschen genauso herzlich, emotional, liebevoll, zärtlich etc. sein, innig lieben und dies auch zeigen, wie das eben auch extrovertierte Menschen können.

      Die Ursachen der von Ihnen geschilderten Gefühlskälte bzw. Gefühlsarmut liegen nicht in den Wesensarten Introvertiertheit und Extrovertiertheit, sondern können z. B. Symptome einer seelischen Erkrankung oder Störung sein. Recherchieren Sie mal im Internet nach dem Begriff „Alexithymie“.

      Burkhard Heidenberger antworten
    • Christa

      Vielen Dank für Ihr Feedback Herr Heidenberger.

      Meiner Meinung nach sind die meisten Menschen in der Mitte bzw. sind wie im Artikel beschrieben zentrovertiert. Die Menschen werden viel mehr von ihrer Umwelt insbesondere in ihrer Kindheit geprägt als durch ihre genetische Veranlagung.

      Es sind sehr wenige introvertierte Menschen, die gleichsam kontaktfreudig, fröhlich, zugewandt und warmherzig sind, gerade weil sie introvertiert sind. Das wäre paradox, dann wären sie nicht mehr introvertiert.

      Die sog. Introvertiertheit hat ihre Ursachen – und das ist keine Introvertiertheit als solche, sondern das nach innen Gekehrte als tiefes Misstrauen (statt Vertrauen) ist ein Resultat tiefer Enttäuschung (Vernachlässigung und Traumatisierungen in der Kindheit und Jugend. Erwachsene Menschen (kenne persönlich einige), welche nicht nur vernachlässigt, sondern auch körperlich gezüchtigt werden, wachsen mit tiefem Misstrauen und Angst vor ihren Mitmenschen und dem leider irrigen Glauben auf: “Menschen sind grundsätzlich böse, verletzen und enttäuschen mich und ich kann niemandem vertrauen.” Sie ziehen sich in ihr Schneckenhaus zurück, aber nicht weil sie von Natur aus introvertiert wären, sondern weil sie misstrauisch und bindungsängstlich werden! Sie sind “introvertiert”, zeigen keine Gefühle, aus Angst nicht gemocht, verstanden und akzeptiert zu werden.

      Ein Mann – 2x geschieden und eine Freundin, die ihn verliess –, bezeichnet sich als introvertiert, segelte statt mit der Frau allein mehrere Wochen auf See, übernachtet obwohl er verheiratet war manchmal alleine im Wald, hat während der Ehe für fünf Jahre das gemeinsame Schlafzimmer verlassen, flüchtete vor seiner Frau, weil er offenbar ihre Nähe nicht ertragen konnte! Bis sie gegangen ist. Welcher seelisch gesunde Mensch lässt sich so was viele Jahre gefallen?

      Zu sagen: Die Menschen werden introvertiert geboren, ist wie wenn man sagt, manche Menschen werden zu pathologischen Sadisten (oder Mörder) geboren. Beides stimmt m.M.n. nicht. Gewiss, es gibt genetische Anlagen und das Temperament ist angeboren (wie auch der Wiener Psychiater Raphael M. Bonelli in seinen Vorträgen immer wieder erwähnt), aber nicht Extravertiertheit/Intravertiertheit als Persönlichkeitszug.

      Meine Erfahrung und Beobachtung deckt sich mit dem Kommentar eines Lesers hier.

      Die Frage ist noch: Woher wissen wir, dass in Wirklichkeit die sog. Intros nicht nur schüchtern und unsicher sind und sich nur nicht trauen, expressiv zu sein?

      Christa antworten
    • Meiner Meinung nach setzen Sie introvertiertes Verhalten gleich mit der Wesensart Introvertiertheit. Doch es ist wichtig zu unterscheiden, ob sich eine Person introvertiert verhält oder ihre Wesensart introvertiert ist. Wie ich im Beitrag geschrieben habe, kann sich auch eine extrovertierte Person introvertiert z. B. in einer bestimmten Situation verhalten.

      Sie schreiben ja selbst:

      „… aber nicht weil sie von Natur aus introvertiert wären, sondern weil sie misstrauisch und bindungsängstlich werden!“

      „… Die sog. Introvertiertheit hat ihre Ursachen – und das ist keine Introvertiertheit, …“

      „… Sie sind “introvertiert” …“

      Dann noch etwas – Sie schreiben:

      „… Zu sagen: Die Menschen werden introvertiert geboren, ist wie wenn man sagt, manche Menschen werden zu pathologischen Sadisten (oder Mörder) geboren. Beides stimmt m.M.n. nicht.“

      Nein, das ist nicht dasselbe. Ob eine Eigenschaft angeboren wird (also der Einfluss der genetischen Faktoren), lässt sich beispielsweise durch Zwillingsstudien nachweisen. So haben solche Studien gezeigt, dass eineiige Zwillinge, die getrennt voneinander aufwachsen, trotzdem sehr ähnliche Persönlichkeitsmerkmale aufweisen. Das heißt, obwohl sie in einem anderen sozialen Umfeld aufwachsen und eine unterschiedliche Erziehung erfahren, zeigen sie ähnliche Persönlichkeitsmerkmale, und das gilt auch im Zusammenhang mit Introvertiertheit und Extrovertiertheit – s. dazu Marti Olsen Laney in „The Introvert Advantage“.

      Burkhard Heidenberger antworten
    • Rino

      Jetzt muss ich mich auch mal zu Wort melden, weil ich diesen Thread hier abonniert habe.

      @Christa, ich bin selbst ein introvertierter Mensch, aber ob du es glaubst oder nicht, ich lebe in einer langjährigen, glücklichen (!) Beziehung. Und ja, ich küsse meine Frau, ich umarme unsere Kinder und ich lasse es mir auch gut gehen!

      Wie schon Herr Heidenberger geschrieben hat, hat die von dir beschriebene Eiseskälte überhaupt nix mit Introvertiertheit zu tun. Nur weil du selbst schlechte Erfahrungen mit deiner Mutter oder deinem Partner gemacht hast, ziehst du daraus anscheinend für dich allgemeingültige Rückschlüsse auf andere Menschen!

      Rino antworten
    • Christa

      @Rino, ja mit meiner Mutter habe ich solche Erfahrungen gemacht, aber vielleicht ist sie so geworden, weil sie während des 2. Weltkrieges in DE geboren wurde. Dieser Mann, von dem ich schrieb, war nicht mein Partner.

      Introvertiertheit, wie man sie als Persönlichkeitsmerkmal glaubt, ist nicht genetisch festgelegt. Und es gibt nichts komplexeres auf der Welt als die menschliche Psyche – sagte mir ein Psychiater – und das menschliche Wesen und seine Persönlichkeit lässt sich nicht nur auf Introvertiertheit und Introvertiertheit reduzieren. Wer das versucht, versuchte die Quadratur des Kreises. Auf so einfache Vorahnung lässt sich die menschliche Psyche nicht reduzieren und beschreiben.

      Auch diese Modelle Introvertiertheit/Extrovertiertheit, die das menschliche Wesen beschreiben wollen, sind inzwischen überholt, weil zu ungenau oder gar falsch, sich der Mensch niemals nur so oder so verhält, sondern je nach der alten Umgebung Personen anpassungsfähig sind und ihr Verhalten jederzeit ändern können.

      Genau so wie man sagt, dass inzwischen auch die Temperamentlehre Sanguiniker, Phlegmatiker, Melancholiker (= introvertiert) und Choleriker auch überholt ist. Ich denke, je nach Situation kann ein Mensch auf alle 4 Arten reagieren.

      „Persönlichkeit“ auf @Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Pers%C3%B6nlichkeit?wprov=sfsi1

      Die Wissenschaft will gerne Antworten, möchte das menschliche Denken, Wahrnehmen, Empfinden, Fühlen und Verhalten erklären – aber das nur mit dem Model. introvertiert/extrovertiert tun zu wollen, tut dem menschlichen Wesen (uns Menschen) als das komplexeste auf diesem Planeten unrecht.

      Christa antworten
    • Rino

      @Christa: Einerseits machst du einen Rundumschlag und schreibst allen Introvertierten nur negative Charakterzüge zu, dann gibt es für dich wieder den Charakterzug introvertiert nicht, dannn wieder deine persönlichen Meinungen und Erfahrungen, aus denen du allgemeingültige Rückschlüsse ziehst, im nächsten Kommentar relativierst du wieder usw. usf.

      Ich kann dir ehrlich gesagt nicht ganz folgen, deshalb klinke ich mich hier wieder aus.

      Rino antworten
    • Christa

      @Rino, das ist doch ganz einfach, es ist wie bei den Horoskopen. Die Verhaltensweisen sind allgemeiner Natur sehr pauschalisierend und klischeehaft beschrieben. Liest man einem Menschen aus dem Horoskop zum Beispiel über sein Sternzeichen Steinbock, dass er sehr zielstrebig sei, lösungsorientiert beharrlich, sparsam, weise, ein guter Freund, loyal und verlässlich, so trifft das vielleicht auf 60 % (oder mehr) der Menschen zu.

      Der von mir erwähnte Mann bezeichnet sich als introvertiert, da er ja auch sehr viel Zeit im Wald verbringt und dort übernachtet – zusammengezählt bis jetzt ist er auf drei Monate gekommen -, aber auf der anderen Seite hält er Vorträge und das entspricht nach diesem Konzept gerade einem Extrovertierten. Er sucht selbst auch Kontakt zu den Menschen, um sich im nächsten Moment schreckhaft zurückzuziehen.

      Die oben beschriebenen Verhaltensweisen stecken die Menschen in einzelne fest geschlossene Schubladen.

      Philosophische, psychologische, neurobiologische Konzepte, welche das menschliche Wesen und die menschliche Psyche (sein Denken, Fühlen, Verhalten) zu ergründen und beschreiben wollen, sind ein nutzloses Unterfangen.

      Wie mir ein Psychiater sagte, ganz ehrlich und offen in Bezug auch auf psychische Krankheiten, die entstehen: “Wir wissen ehrlicherweise selbst zu wenig und nicht alles, und wir befinden uns deshalb stets auf dem neuesten Stand des Irrtums.”

      Denn woher wissen wir, dass nicht die Verhaltensweisen des so genannten introvertierten vielleicht nur die Symptome einer Sozialphobie, einer generalisierten Angststörung oder sogar einer schwer zu behandelnden Persönlichkeitsstörung wie ängstlich (vermeidenden) Persönlichkeitsstörung sind?

      Es ist doch genau gleich wie bei den körperlichen Krankheiten. Wenn ein Mensch hustet und hohes Fieber hat, bedeutet es nicht automatisch, dass er Lungenentzündung hat. Diese Symptome können auch Zeichen von Lungenkrebs sein oder einer anderen Lungenkrankheit. Es gilt die Ursache des Symptoms zu finden, und es gibt vielleicht auch das Symptom oder das Verhalten eines Menschen zu ergründen, aber auch das ist viel schwieriger als bei einer somatischen Erkrankung.

      Nicht umsonst war Socrates auch mein Lieblingsphilosoph, indem er auch schon zu pflegen sagte: ich weiss, dass ich nichts weiss.

      Was sich heute als richtig erweist, kann schon morgen falsch sein, und das weiss man inzwischen über den bösen Cholesterinwert im Blut: War man der Überzeugung, dass Butter und Eier den Cholesterin-Spiegel erhöhen, erwies sich das heute als klarer Irrtum, denn die strenge Diät hat zu keiner Besserung geführt. Das hat andere Ursachen als die Cholesterinwerte in den Lebensmitteln.

      Darum ist es besser, überhaupt solche Konzepte zu verwerfen, weil sie gar nicht richtig und VOLLSTÄNDIG das menschliche Wesen umschreiben und beschreiben können.

      Wenn ich schon sagen muss: “ich bin extrovertiert, aber …” und beginne Ausnahmen zu erzählen, wo ich es nicht bin, dann kann ich es genauso gut sein lassen.

      Christa antworten

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