Durchsetzungsvermögen trainieren: Wie Sie sich durchsetzen!

Menschen mit einer gesunden Portion an Durchsetzungsvermögen tun sich im Leben vielfach leichter als Menschen, die sich schwer durchsetzen können.

Die Basis für das Durchsetzungsvermögen bildet nun mal die Selbstsicherheit. Fehlt es an Selbstsicherheit, mangelt es in der Regel auch an Durchsetzungskraft.

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Mit Durchsetzungskraft Widerstände überwinden und sich entfalten

Warum ist Durchsetzungsvermögen so wichtig?

Wer sich nicht durchsetzen kann, zieht oft den Kürzeren und muss mit Einbußen und Nachteilen rechnen. Außerdem können Menschen, die sich nie durchsetzen, an Glaubwürdigkeit verlieren und werden weniger ernst genommen – das gilt insbesondere im Businessbereich. Sie werden häufiger ausgenutzt, weil sie sich nicht ausreichend zur Wehr setzen.

Personen mit Durchsetzungsvermögen hingegen setzen ihre Interessen leichter durch und erreichen eher ihre Ziele.

Das ist schon im Kindergarten so und auch später in der Schule und im Berufsleben nicht anders.

Die Fähigkeit, sich durchzusetzen und seine Interessen zu vertreten, ist nicht jedem Menschen in die Wiege gelegt. Jedoch lässt sich mit der regelmäßigen Umsetzung der folgenden Tipps das Durchsetzungsvermögen trainieren und damit steigern.

Nehmen wir einfach mal an, Sie müssen in eine schwierige Verhandlung. Sie wollen unbedingt Ihr Vorhaben durchsetzen, das allerdings beim Verhandlungspartner auf wenig Gegenliebe stößt.

Durchsetzungsvermögen stärken – 10 Tipps

1. Vorbereitung ist das A und O

Wenn Sie unvorbereitet in die Verhandlung gehen, können Sie noch so selbstsicher auftreten, die Chancen auf einen positiven Abschluss sind erheblich geringer.

Denn unvorbereitet bieten Sie dem „Gegner“ zahlreiche Angriffspunkte.

Kommen Sie einmal ins Schwanken, werden Sie auch im weiteren Verlauf der Verhandlung kaum Boden gewinnen.

2. Erklären Sie Ihre Vorhaben nachvollziehbar und präzise

Je nachvollziehbarer Ihr Vorhaben, je detaillierter Sie es formulieren, desto größer die Chance, dass Sie es durchsetzen. Betonen Sie insbesondere den Nutzen, den Ihre Intention gegebenenfalls auch für Ihr Gegenüber darstellt.

3. Signalisieren Sie Verständnis für die Gegenargumente

Es klingt paradox, aber gerade das Entgegenbringen von Verständnis erhöht die Akzeptanz durch den anderen. Wenn Sie sich erfolgreich durchsetzen wollen, ist es wichtig, sich auf Ihr Gegenüber einzustellen und diesem aufmerksam und interessiert zuzuhören.

Signalisieren Sie Verständnis für dessen Meinung und gehen Sie erst dann in die Offensive.

Zeigen Sie dagegen von Anfang an kein Verständnis für die Argumente der Gegenseite, dann könnte es sein, dass Ihr Gesprächspartner sofort abblockt und sich Ihren Ideen und Ihrem Vorhaben für immer verschließt.

Wenn Sie Verständnis signalisieren, benötigen Sie in der Verhandlung häufig weniger Durchsetzungskraft.

4. Bringen Sie Ihre Emotionen ins Spiel

Ein Verhandlungsgespräch wird nicht nur durch sachliche Argumente, sondern auch auf emotionaler Ebene gewonnen.

Zeigen Sie Ihren Enthusiasmus und stehen Sie mit voller Begeisterung hinter Ihrem Vorhaben. Und wenn Sie beim Gegenüber auch die positive emotionale Ebene erreichen, dann haben Sie viel erreicht.

Fragen Sie sich bereits bei der Vorbereitung, wie Sie den Verhandlungspartner emotional berühren können, und legen Sie sich entsprechende Strategien zurecht.

Je besser Sie den Verhandlungspartner kennen, je mehr Sie von ihm wissen, desto leichter lässt sich das „emotionale Anpingen“ steuern.

5. Definieren Sie klar Ihre Ziele

Damit Sie sich erfolgreich durchsetzen können, müssen Sie Ihr Ziel genau (!) kennen, bevor Sie den Verhandlungsraum betreten. Nur wenn Sie Ihr Ziel im Fokus haben, wissen Sie, welche Entscheidungen wichtig sind, welche bzw. ob Zugeständnisse möglich sind.

6. Vermeiden Sie den Konjunktiv

Auch die Sprache hat einen Einfluss darauf, ob Sie Ihren Willen durchsetzen oder nicht. Vermeiden Sie Formulierungen wie beispielsweise:

  • ich könnte
  • ich würde
  • ich hätte
  • eigentlich
  • an und für sich

Sagen Sie ohne Umschweife klar und deutlich, was Sie wollen, und signalisieren Sie dadurch Ihrem Gegenüber Ihren Durchsetzungswillen.


Buch-Tipp (Bestseller) – um sich freundlich, aber bestimmt zu behaupten:

Konfliktscheu? Wieder mal ein „Ja“ oder nichts gesagt, wo eigentlich ein „Nein“ angebracht gewesen wäre?


7. Stellen Sie (suggestive) Rückfragen

Wenn Sie nicht sicher sind, ob der Verhandlungspartner Ihre Argumente bewusst wahrgenommen hat, können Sie das mit Rückfragen feststellen, am besten suggestiv:

  • „Sehen Sie auch diesen Nutzen?“
  • „Was halten Sie von diesem Nutzen, von dieser Lösung, von dieser Erleichterung?“

Häufige Rückfragen erhalten die Konzentration beim Gegenüber aufrecht und können ihn bei entsprechender suggestiver Formulierung positiv auf Ihr Vorhaben stimmen.

Auch dies ist wiederum ein Punkt, den es bereits bei der Vorbereitung zu berücksichtigen gilt: sich mögliche Rückfragen zurechtlegen.

8. Nein!

Das Durchsetzungsvermögen definiert sich nicht allein dadurch, eine bestimmte Position zu verteidigen und andere von einem bestimmten Vorhaben zu überzeugen.

Menschen mit Durchsetzungsvermögen können auch im entscheidenden Augenblick „Nein“ sagen und diesen Standpunkt beibehalten. Wenn Sie sich behaupten wollen, dann dürfen Sie nicht zu nachgiebig sein. Denn Menschen, die ständig nachgeben, laufen Gefahr, dass man sie schamlos ausnutzt.

Auf die Frage, ob es Ihnen etwas ausmacht, wenn …, sollten Sie sich nicht scheuen, eine ehrliche und Ihren persönlichen Interessen entsprechende Antwort zu geben.

Freilich ist es hin und wieder sinnvoll, einen anderen Menschen zufriedenzustellen, insofern es für einen selbst mit keinem großen Aufwand bzw. Verzicht verbunden ist.

9. Bleiben Sie höflich – aber bestimmt!

Auch wenn es nicht immer leichtfällt, aber bleiben Sie höflich und freundlich. Beherrschung zeugt auch von Charakterstärke.

10. Üben Sie täglich Ihr Durchsetzungsvermögen

Das kann schon mit Kleinigkeiten gelingen. Verzichten Sie nicht auf Ihr Recht, bloß um anderen einen Gefallen zu tun – was aber nicht heißt, ohne Rücksicht zu handeln.

Nehmen Sie eine alltägliche Situation, in der Sie üblicherweise schnell nachgeben, vielleicht auch aus Bequemlichkeit. Treffen Sie das nächste Mal auf diese Situation, gehen Sie raus aus der Komfortzone, bleiben Sie standhaft und setzen Sie Ihren Willen durch.

Allein dieses Erfolgserlebnis wird Sie anspornen, für weitere zu sorgen und damit Ihr Durchsetzungsvermögen zu steigern.

Zum Weiterlesen: 

Kommentare

  • Manne

    Andere als Kontrahenten zu sehen, führt langfristig gesehen kaum zum Ziel. Ein Problem bei der Durchsetzung ist, dass man immer auch von anderen Menschen abhängig ist. Man könnte sich zwar mit den beschriebenen Tipps besser durchsetzen, muss aber mit den Konsequenzen leben können.

    Grundvoraussetzung für die Durchsetzung ist, dass man seinen eigenen Standpunkt überhaupt kennt und richtig benennt. Wenn der andere nicht weiß, was man will, ist die Verhandlungsbasis schlecht. Alles weitere ist aber davon abhängig, ob man sich es leisten kann, den anderen ggf. als Verlierer dastehen zu lassen. Die Sache ist leider nicht so einfach wie beschrieben.

    Manne antworten
    • Grundvoraussetzung für die Durchsetzung ist, dass man seinen eigenen Standpunkt überhaupt kennt.

      Stimmt! Den eigenen Standpunkt sollte man schon kennen, wenn man sich durchsetzen möchte. Ansonsten ginge es beim Durchsetzen wohl nur darum, dem Gegenüber nicht recht zu geben, unabhängig davon, welchen Standpunkt dieser vertritt.

      Burkhard Heidenberger antworten
  • Manne

    Wenn Sie das grundsätzlich so sehen – sich also durchzusetzen, egal welchen Standpunkt der andere vertritt –, werden aber Kompromisse unmöglich.

    Vielleicht sehen Sie die Sache etwas zu eng und in Richtung entweder/oder, er oder ich, Sieg oder Niederlage?

    Manne antworten
    • Woraus genau schließen Sie, dass ich den Standpunkt „Entweder/Oder, Sieg/Niederlage“ vertrete?

      Dem ist nämlich nicht so! Wenn, dann eher den Standpunkt „Sowohl/Als auch“ (sowohl Durchsetzen als auch Kompromisse eingehen) – denn es kommt immer auf die Umstände, auf die Situation an: Es gibt Situationen, die einen Kompromiss verlangen, dann wiederum solche, in denen mehr Durchsetzungskraft hilfreich ist.

      Auch wenn das Beispiel etwas weit hergeholt ist: Ich nehme an, Sie würden auch lieber von einem Anwalt mit hohem Durchsetzungsvermögen vertreten werden als von einem mit geringer Durchsetzungskraft.

      Der Titel des Artikels lautet nun mal „Durchsetzungsvermögen trainieren …“. Es geht also darum, wie man sein Durchsetzungsvermögen steigern kann und weniger darum, wie man Kompromisse eingeht!

      Natürlich sind oft Kompromisse notwendig – meist auch sinnvoller als den eigenen Standpunkt auf Biegen und Brechen durchzusetzen. Allerdings fällt es Menschen mit keinem/wenig Durchsetzungsvermögen schwer, die eigenen Wünsche und Interessen zu vertreten, weshalb sie meist auch den Kürzeren ziehen und häufig sogar ausgenutzt werden. Und genau diesen Personen kommt eine gesunde Portion Durchsetzungsvermögen zugute!

      Aber es geht oft nicht nur um die persönlichen Interessen, die Durchsetzungsvermögen verlangen – Durchsetzungsvermögen ist auch im Zusammenhang mit den Anliegen der Menschen oder Institutionen gefragt, für die eine Person verantwortlich ist: beispielsweise ein Auftragnehmer (ver)handelt im Sinne seines Auftraggebers, ein Arbeitgeber auch für seine Mitarbeiter, der Vater für seine Familie, …

      Letztlich kommt es aber immer auf die Situation und die Umstände an!

      Burkhard Heidenberger antworten
  • Gertrud Dörr

    Vielen Dank, Herr Heidenberger!

    Ich fand diesen Beitrag für mich persönlich sehr hilfreich und lesenswert. Ich hätte meine Bedürfnisse in der ein oder anderen Situation gerne mehr durchgesetzt, dazu fehlte mir aber stets die Übung bzw. der Antrieb und letztlich die charakterliche Veranlagung. Meist bemerkte ich sehr schnell danach, dass ich mich mehr hätte einbringen müssen.

    Ich hoffe von Ihrem Artikel in Zukunft profitieren zu können.

    Beste Grüße
    Gertrud Dörr

    Gertrud Dörr antworten
  • Matthias

    Wer sich mit diesen Themen befasst, hat zumeist eben ein Problem damit – nun möge man sagen: “Gefahr erkannt – Gefahr gebannt!”. Leider ist das alles andere als leicht. Die Analyse bei mir ist klar – tiefenpsychologisch exploriert und als richtig erkannt. So weit so gut.

    Über 60 Jahre eigentlich immer nur für andere gelebt, von Kindes Beinen auf dazu erzogen, dass der “Nächste” und sein Wohlergehen das ist, was meine Aufgabe zu sein hat. Egoismus war per se schlecht und des Teufels. Da verlernt man, eigene Wünsche und Bedürfnisse zu haben und zu akzeptieren, geschweige denn Träume oder Visionen für sein eigenes Leben.

    Und nun? Mit der Therapie bin ich ja soweit – und trotzdem hat sich nicht viel geändert. Nach wie vor hänge ich an dieser Stelle fest und an der Umsetzung dieser Verhaltensänderung scheitere ich aber so was von genial – falle ständig in die gleichen Verhaltensmuster zurück und komme weder mit noch ohne Therapie an diesem Punkt nicht einen Zentimeter weiter.

    Weder kann ich eine Bitte um Hilfe abschlagen, noch kann ich meinen Standpunkt durchsetzen, sondern versuche nachzugeben, um möglichst schnell einen (für mich dann faulen) Kompromiss zu erreichen, noch kann ich überhaupt konstruktiv streiten – wenn es zum Streit gekommen ist, dann war das dann das Ende der Kommunikation oder Beziehung. Streit ist für mich IMMER destruktiv und NIE konstruktiv gewesen. (Stimmt zwar nicht ganz, aber gefühlt so in etwa…)

    Über 60 Jahre dann “falsch gelebt” – irgendwie eine für mich kaum lösbare Situation…

    Matthias antworten
    • Danke für Ihren offenen Erfahrungsbeitrag, Matthias!

      Eine Änderung von eingefahrenen – auch und insbesondere über mehrere Jahre durch die Erziehung geprägten – Gedankenmustern und daraus resultierenden Verhaltensweisen ist sicherlich alles andere als einfach.

      Es ist schon mal ein wichtiger und richtiger Schritt, dass Sie sich zu einer Therapie entschlossen haben, auch wenn sie bisher vielleicht noch nicht Ihre Erwartungen erfüllt hat. Eine Therapie oder auch eine Selbsthilfegruppe können auf alle Fälle zu einer „Umkehr“ dieser eingefahrenen Verhaltensmuster beitragen.

      Vielleicht finden Sie auch in der folgenden Zeitblüten-Einsendung von Leserin Pirko einige unterstützende Gedanken und Impulse. Darin berichtet sie ebenfalls von belastenden Verhaltensmustern (geprägt durch das Elternhaus) und wie sie wieder einen Weg zu mehr Selbstliebe gefunden hat:

      » Zeitblüte von Pirko: Mein Weg zur zurück zur Selbstliebe

      Burkhard Heidenberger antworten

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