Berufsbegleitendes Studium und Zeitmanagement – was gilt es, zu beachten?

Die Redaktion des Studentenmagazins DURST (Wochenzeitung Falter) hat mich zum Thema „Zeitmanagement für das berufsbegleitende Studium“ interviewt. Im Folgenden ein Auszug aus dem Interview.

Hatten Sie bereits berufsbegleitend Studierende in Ihren Trainings für Zeitmanagement?

Ja, wenn auch eher selten. Denn berufsbegleitend Studierende sind meist mit der Mehrfachbelastung (Studium/Arbeit) so ge- bzw. überfordert, dass sie sich keine Zeit für ein Seminar nehmen.

Wobei genau diese Zeitmanagement- bzw. Selbstmanagementkompetenz (am besten bereits vor Beginn des Studiums angeeignet) wesentlich dazu beitragen kann, die Belastungen durch das berufsbegleitende Studieren besser zu bewältigen bzw. das Studium effizienter zu gestalten.

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Berufsbegleitendes Studieren erfordert Selbstdisziplin und Durchhaltevermögen

Welche besonderen Anforderungen stellt ein berufsbegleitendes Studium aus Ihrer Sicht an das Zeitmanagement eines studierenden Berufstätigen bzw. berufstätigen Studenten? Welche Schwierigkeiten/Herausforderungen sehen Sie?

Die wesentlichen Komponenten für die erfolgreiche Absolvierung eines berufsbegleitenden Studiums sind – neben der Lernkompetenz – Motivation, Selbstdisziplin und Selbstmanagement.

Wer sich für ein berufsbegleitendes Studium entscheidet, bringt in der Regel schon eine gehörige Portion Motivation mit. Denn den meisten ist durchaus bereits im Vorfeld klar, dass ein solches Studium viel Selbstdisziplin und Durchhaltevermögen erfordert.

Dass aber auch Selbstorganisation/Selbstmanagement gefragt ist, wird den meisten erst während des Studiums richtig bewusst.

Denn Studium, Arbeit und Privatleben (Familie, Partnerschaft) unter einen Hut zu bringen, ist alles andere als einfach. Die neben der täglichen beruflichen Tätigkeit begrenzt zur Verfügung stehende Lernzeit gilt es, optimal zu nutzen. Und das erfordert eine gute Selbstorganisation. Je besser Studierende sich selbst organisieren, sich selbst managen können, desto leichter wird es ihnen gelingen, das Studium mit einem für sie akzeptablem Aufwand zu absolvieren.

Im Zusammenhang mit berufsbegleitendem Studieren hört man oft: „Gutes Zeitmanagement ist alles.“ Wie sieht dieses Zeitmanagement idealerweise aus? Haben Sie konkrete Tipps für berufsbegleitend Studierende?

Zeitmanagement ist im Grunde nichts anderes als Selbstorganisation bzw. Selbstmanagement. Ein Studium – ob berufsbegleitend oder nicht – will geplant und organisiert sein, um es möglichst effizient und erfolgreich abzuwickeln.

Nun zu den konkreten Tipps, die allgemein für Studenten gelten, aber insbesondere für berufsbegleitend Studierende, die mit ihren Zeitressourcen besonders straff haushalten müssen:

  • Verschaffen Sie sich einen Überblick über den anstehenden Lernstoff (semesterweise, bis zur (Teil-)Prüfung …). Hilfsmittel: Mindmaps, Organigramme, Verzeichnisse etc.
  • Erstellen Sie schriftlich und unter Berücksichtigung von Zeitreserven – in Abhängigkeit Ihrer Lernziele – einen Zeitplan (Studienplan). Darin ist genau definiert, welchen Lernstoff Sie bis wann durchgearbeitet haben wollen bzw. müssen.
  • Gestalten Sie Ihren Studienplan unter Berücksichtigung von Prioritäten. Diese berücksichtigen das Aufbereiten des Basiswissens und des Detailwissens.
  • Pflegen Sie Ihren Studienplan, überprüfen Sie ihn regelmäßig und passen Sie ihn bei Bedarf an.
  • Nehmen Sie sich auch Tageslernziele vor.
  • Finden Sie die für Sie effektivsten Lernstrategien und -hilfen (z. B. in festgelegten Intervallen durchgeführte Wiederholungen, Diskussionsgruppen, Organisation des Lernstoffs, Erarbeitung der Zusammenhänge) heraus und nutzen Sie diese konsequent.
  • Machen Sie sich in diesem Zusammenhang auch bewusst, welcher Lerntyp (visuell, auditiv, motorisch, kommunikativ) Sie sind und gestalten Sie dann Ihr Lernen entsprechend.
  • Prüfen Sie laufend Ihren Lernweg und optimieren Sie bei Bedarf Ihre Lernstrategien.
  • Berücksichtigen Sie in Ihren Lernphasen regelmäßige Pausen und Abwechslung, um das Gelernte „sacken“ zu lassen.
  • Beseitigen bzw. vermeiden Sie beim Lernen alle Ablenkungen soweit wie möglich (z. B. Handy, Radio, Fernseher ausschalten, Rückzug in einen ruhigen Raum, „offline“ gehen).
  • Wenn möglich, richten Sie sich einen Lernraum ein – also einen Raum bzw. Orte, wo Sie sich wohlfühlen und konzentriert und ungestört lernen können.
  • Eignen Sie sich bei Bedarf Zusatzqualifikationen an, um Ihr Studieren effizienter zu gestalten, z. B. Schnelllesetechnik, Notizmanagement, Mindmapping, Merktechniken, „Lernen lernen“, …

Je höher die Motivation, desto leichter lässt sich auch der innere Schweinehund überwinden, mit dem wohl jeder während des Studiums früher oder später konfrontiert wird. Deshalb gilt es, Maßnahmen zu treffen, die der Motivation förderlich sind:

  • Schließen Sie sich einer Lerngemeinschaft an bzw. bilden Sie selbst eine solche.
  • Teilen Sie umfangreiche Lernaufgaben in Teilaufgaben auf.
  • Setzen Sie sich laufend (Lern-)Ziele, und belohnen Sie sich für die Erreichung dieser Ziele.
  • Kommunizieren Sie Ihre Ziele (z. B. an Familienmitglieder, Freunde, Studienkollegen). Damit schaffen Sie sich selbst einen sanften, motivierenden Druck.
  • Führen Sie sich regelmäßig die Folgen und Konsequenzen vor Augen, die aus dem Nichterreichen, aber auch aus dem Erreichen der Ziele (Absolvierung des Studiums, der Teilprüfungen etc.) resultieren können.
  • Versuchen Sie, demotivierende (private) Probleme und Hindernisse möglichst vor Beginn intensiver Lernphasen zu lösen.

Welche Voraussetzungen braucht es aus Ihrer Sicht von Uni und Arbeitgeber, damit sich Studium und Beruf unter einen Hut bringen lassen?

Von den Universitäten und Fachhochschulen, die berufsbegleitende Studien anbieten, sind diese in der Regel bereits so konzipiert, dass das Studium auch mit einem Vollzeitberuf vereinbar ist.

Vor allem seitens des Arbeitgebers wäre Unterstützung oder zumindest das Entgegenbringen von Verständnis wünschenswert, um beispielsweise der studierenden Mitarbeiterin eine gewisse zeitliche Flexibilität und auch „Abschottung“ während der Studienzeit zuzugestehen.

Denn wenn ein studierender Berufstätiger während seines Studiums mit herausfordernden und zeitintensiven beruflichen Aufgaben konfrontiert wird, daraus vielleicht sogar zahlreiche Überstunden resultieren, wird ein erfolgreiches bzw. effizientes berufsbegleitendes Studieren schwer möglich sein.

Deshalb ist es wichtig, bereits vor Beginn des Studiums das Gespräch mit dem Arbeitgeber zu suchen und das Vorhaben zu kommunizieren. Allerdings wird man vom Arbeitgeber nur dann Verständnis und Unterstützung erwarten können, wenn man das berufsbegleitende Studium und die damit errungenen Kompetenzen im Unternehmen einsetzen bzw. einbringen kann.

Ist es offensichtlich, dass der studierende Mitarbeiter durch die Absolvierung des Studiums eine berufliche Veränderung im Sinn hat und damit das Unternehmen über kurz oder lang verlassen wird, sollte man das Vorhaben (berufsbegleitendes Studieren) dem Arbeitgeber nicht groß ankündigen.

Eine ganze Reihe österreichischer Fachhochschulen bietet Studiengänge (meist Master) speziell für Berufstätige an. Die Stundenpläne sind dabei so gestaltet, dass die Vorlesungen und Seminare abends und am Wochenende bzw. geblockt stattfinden. 

Welche Maßnahmen könnten von Seiten der Fachhochschulen und Unis noch getroffen werden, um Beruf und Studium vielleicht noch besser unter einen Hut zu bringen? 

Vor allem berufsbegleitend Studierenden kommt das orts- und zeitunabhängige Lernen mithilfe von E-Learning-Konzepten zugute. Und genau hier sehe ich auch noch Potenzial, obwohl sich im Bereich des E-Learnings in den letzten Jahren sehr viel getan hat. Es ist allerdings ein stetiger Entwicklungsprozess und erfordert seine Zeit, bis sich ein E-Learning-Konzept etabliert hat.

Universitäten und Hochschulen sind deshalb gefordert, eine optimale Kombination aus Präsenzphasen und E-Learning-Elementen zu finden und diese zu forcieren.

Solche E-Learning-Elemente sind beispielsweise Lehr-/Lern-Plattformen, multimediale, interaktive Module, Online-Video-Vorlesungen, virtuelle Klassenräume, Webinare, Live-Chats/-Konferenzen etc. – dies alles stellt mit den heutigen technologischen Infrastrukturen und Möglichkeiten keine große Herausforderung mehr dar.

Wann ist ein kritischer Punkt erreicht, an dem berufsbegleitend Studierende eine Entscheidung zwischen Job und Studium treffen sollten?

Er ist meiner Meinung nach dann erreicht, wenn sich aus dem berufsbegleitenden Studium Beeinträchtigungen in der psychischen und physischen Gesundheit bemerkbar machen. Um nur einige zu nennen: häufig auftretende körperliche Beschwerden wie Erkältungen, Schwindel, Kopfschmerzen, … Appetitlosigkeit, Schlafstörungen, Albträume, chronische Müdigkeit, steigende Aggressivität, Antriebslosigkeit, Vermeiden sozialer Kontakte, Abkapselung, …

Und natürlich spielt es auch eine Rolle, wie häufig und zu welchem Zeitpunkt (bereits zu Beginn oder erst in der Endphase des Studiums) diese „Nebenwirkungen“ auftreten.

Der kritische Punkt ist also immer individuell und von der persönlichen Belastungsfähigkeit abhängig.


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Kommentare

  • Susann

    Hi,

    ich habe selbst 3,5 Jahre lang neben meinem Vollzeitjob studiert, was wirklich nicht immer leicht war. Ganz wichtig fand ich dabei eine gute Organisation meiner Zeit und auch Freizeit. Ich habe gemerkt, dass es hilft, sich feste Zeiten zum Lernen einzuplanen und den Stoff in Häppchen einzuteilen.

    Vor allem dann auch das Handy dabei ausschalten oder zur Seite legen, um nicht abgelenkt zu werden. Und als Tipp: Mut zum Weglassen! Nicht alles muss man beherrschen. Lieber auf die wichtigsten Bereiche konzentrieren und die dafür 1a beherrschen!

    Viel Erfolg!

    Susann antworten

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