Interview mit Alpinsportler Alexander Huber: Ziele

Ziele sind der Wegbereiter des Erfolgs. Das gilt generell aber insbesondere im Sport. Alexander Huber gehört zu den weltbesten Alpinsportlern und kann damit zahlreiche Erfolge aufweisen. Er stand mir für ein „schnelles“ Interview zur Verfügung – herzlichen Dank nochmals an dieser Stelle!


Zur Person:

alexander huber

Alexander Huber zählt zu den weltbesten Allroundbergsteigern (Alpin-, Sport-, Extrem-,  Eisklettern, Free Solo). Reinhold Messner hat einmal über ihn gesagt:

„Alexander Huber ist nicht nur der kreativste Kletterer, er ist im alpinen Gelände wohl auch der beste.”

Er ist bisher als Einziger die Route “Opportunist” im “Wilden Kaiser” mit einer Schwierigkeitsskala von 10 „free solo“ (ohne Seil und Sicherungen) geklettert. Durch zahlreiche weitere Free-Solo-Erstbegehungen errang er internationale Aufmerksamkeit.

Bekannt wurde er auch durch den im Kino gezeigten Dokumentarfilm „Am Limit“ (Trailer auf Youtube). Dieser Film zeigt Alexander und seinen Bruder Thomas („die Huberbuam“) beim Versuch, die Bergwand “The Nose” in weniger als drei Stunden zu bezwingen, wofür andere Kletterer drei bis vier Tage benötigen.

Alexander Huber ist Autor zahlreicher Bücher und hält Vorträge über seine Leidenschaft.


Alexander, ein Besucher Deiner zahlreichen Vorträge würde die Frage stellen: „Wozu braucht man Ziele im Leben?“ Was wäre Deine Antwort darauf?

Ziele verleihen dem Leben Farbe und Struktur.

Viele Menschen setzen sich Ziele. Beginnen dann mit voller Elan, sich Richtung Ziel zu bewegen. Aber schon nach kurzer Zeit bleibt die Motivation auf der Strecke. Wie gelingt es Dir, Dich zu motivieren, wenn beispielsweise auf dem Weg zum Ziel die Motivation nachlässt oder Du vielleicht sogar in ein „Motivationsloch“ fällst?

Solange es in Reichweite zu sein scheint, gebe ich die Ziele nicht auf. Wenn es dazwischen ein „Loch“ gibt, dann lege ich das Ziel für gewisse Zeit zur Seite um es dann später mit neuer Motivation erneut anzugehen.

Andere können ja selten die Schwierigkeiten und Hindernisse hinter einem Erfolg sehen. Oft ist ein Erfolg mit einem vorhergehenden – vielleicht mehrmaligen – Scheitern verbunden. Bist Du auf dem Weg zum Ziel selber manchmal gescheitert?

Oft genug oder besser gesagt: fast immer.

Wie siehst Du das Scheitern an sich bzw. wie gehst Du damit um?

Rückschläge gehören bei High-End-Zielen dazu. Da hilft dann nur eins: nicht liegenbleiben sondern weitermachen.

Beim Free Solo, also beim freien Klettern ohne Seil und Sicherung, kann das Scheitern ja fatale Folgen haben. Wie reduzierst Du diese Gefahr des Scheiterns auf ein Minimum?

Das Scheitern beim Free Solo bedeutet nicht einzusteigen.

Kennst Du auch so etwas wie Angst bei Deinen Unternehmungen?

Die Angst ist beim Bergsteigen allgegenwärtig und ist ein wichtiges Überlebenskriterium.

Vor allem das Free-Solo-Klettern erfordert ja ungemeine mentale Stärke. Kann man diese auch durch Training erlangen oder muss man da schon „von Haus aus“ mental stark sein?

Ein hohes Maß an mentaler Stärke braucht sicher beides: Talent und Training.

Wenn Du Deine erreichten Ziele Revue passieren lässt, welche zählen zu den schönsten?

Ich habe schon viele unvergessliche Momente erlebt. Eine Wertung wie „das schönste Erlebnis“ kann ich dabei aber nicht abgeben.

Wenn Du ein Ziel erreicht, beispielsweise eine Route bestiegen hast, wird das richtig gefeiert oder bist Du mit dem Kopf schon beim nächsten Ziel?

Nach dem Erreichen eines großen Zieles gibt es immer die Zeit der Erholung und des Genießens. Erst dann formen sich neue Träume zu konkreten Zielen.

Wie gehst Du bei der Zielplanung vor? Erstellst Du einen Aktionsplan, in dem jeder einzelne Schritt festgelegt wird?

Meine Pläne entstehen im Kopf. Der ist besser als jedes Papier.

Vom Philosoph Karl Jaspers stammt das Zitat: „Wenn es uns gelingt, den Weg so wichtig zu nehmen wie das Ziel, dann wird uns die gesamte Reise erfüllen, nicht nur das Ankommen.” Ist für Dich das erreichte Ziel oder der Weg dorthin schöner?

Der Wert eines Erlebnisses summiert sich für mich über alle einzelnen Etappen einer „Reise“.

Neben zahlreichen anderen Erstbegehungen hast Du in meiner Heimat Südtirol als erster an den Drei Zinnen eine alpine Route im 11. Schwierigkeitsgrad eröffnet, die bis heute zu den weltweit schwierigsten alpinen Kletterrouten zählt. Die Angst vor zu hoch angesetzten bzw. schwer erreichbaren Zielen kennst Du offensichtlich nicht?

Ich versuch es zumindest immer wieder, am Limit unterwegs zu sein.

Setzt Du dir auch Ziele, bei denen Du Zweifel hast, sie zu erreichen? Oder wählst Du nur solche, von denen Du überzeugt bist, sie zu schaffen?

Ziele, die man von vorne herein schon als sicher machbar einschätzt sind sportlich nicht wirklich interessant.

Abschließend Dein Ratschlag, um ein gesetztes Ziel zu erreichen?

Dranbleiben …

Vielen Dank für das Interview, Alexander!


Und noch ein paar Impressionen:

huberbuam

alexander huber

huber buam

Kommentare

  • AndreasMoling

    Mir ist Alexander und sein Bruder Thomas bereits aus einigen Fernsehauftritten bekannt und bewundere deren Leistungen. Umso erstaunter war ich über die Aussage von Alexander, dass er “oft genug” bzw. “fast immer” gescheitert wäre.
    Aber es ist wohl so, wie der Interviewer in seiner Fragestellung meint, dass Außenstehende die Schwierigkeiten und Hindernisse hinter einem Erfolg nicht sehen bzw. sehen können.

    AndreasMoling antworten
  • Alan

    Kurze aber sehr interessante Antworten von Huber – gefällt mir! Das Video ist echt cool!

    Alan antworten
  • lilifee

    Den Weg genauso wichtig nehmen,wie das Ziel—–dieser Satz gefällt mir besonders gut.

    sonnige Grüße Lilifee

    lilifee antworten
  • Reinhard Mayr

    Es ist wirklich unglaublich, was dieser Mensch leistet. Vor allem auch, welchen Mut und welches Selbstvertrauen es erfordert, solche Ziele in Angriff zu nehmen.

    Reinhard Mayr antworten

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