Lesen Sie hier das 1. Kapitel aus dem Businessroman "Das Olivembäumchen" - Untertitel: Das Erfolgseinmaleins.

Das Olivenbäumchen - das 1. Kapitel

Heute das erste Kapitel aus meinem Buch Das Olivenbäumchen. Vielleicht wecke ich ja Ihre Neugierde auf weitere ;-)

Die Sekretärin teilte Nino mit, dass ihn Herr Moro in zehn Minu­ten in seinem Büro zu sprechen wünsche. Was will der von mir?, schoss es Nino durch den Kopf.

Seinen Blick richtig deutend, meldete sich die Sekretärin wie gewohnt ohne seine Reaktion abzuwarten: „Das bedeutet wohl nichts Gutes!“

das olivenbäumchen

Nino arbeitete jetzt schon seit vier Monaten im angesehenen Architekturbüro „Arcata“ des Architekten Moro. Auch wenn es bislang noch zu keinem längeren Gespräch gekommen war, hatte er sich doch einen Eindruck durch die Aussagen und Erzählungen seiner Mitarbeiter und durch Moros Auftreten machen können. Seinem Vater Franco – ebenfalls Architekt, zudem Gastprofessor an der Universität von Pisa und ehemaliger Studienkollege Moros – hatte er es zu verdanken, dass er die einmalige Chance bekam, in diesem renommierten Büro erste Erfahrungen zu sammeln. Das Büro war das bekannteste in Florenz und bei vielen Wettbewerben auch außer­halb der Landesgrenzen als Sieger hervorgegangen. Wenn Farbtöpfchen, so nannte Nino seinen Chef aufgrund seines extravaganten Kleidungsstils und seiner kleinen Statur, menschlich so erfolgreich gewesen wäre wie in seiner Berufsausübung, dann würden ihm seine Angestellten sicherlich mehr Respekt entgegenbringen. Aber Moro schien größeren Wert auf Furcht als auf Respekt zu legen.

Er klopfte und wartete kurz, ehe er die Tür öffnete und eintrat.

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„Guten Morgen“, gab Nino sich höflich.

Herr Moro, in ein Schriftstück vertieft, blickte flüchtig auf. „Sie haben im August bei mir angefangen. Was kann ich von Ihnen erwarten?“

„Inwiefern erwarten?“ Nino ließ sich seine Unsicherheit nicht anmerken.

„Ich habe Ihnen das Projekt „Villa Marina“ übergeben. Ein relativ einfaches Bauvorhaben, sodass man keinesfalls von einem Wurf ins kalte Wasser sprechen kann.“

Nach kurzem Zögern wurde Herr Moro lauter: „Ein ausgezeichneter Studienabschluss ist noch lange kein Praxisbefähigungsnachweis. Nachdem ich übers Wochenende einen Blick in Ihre Projektordner geworfen habe, war ich entsetzt. Ihre Schlamperei passt auf keine Kuhhaut, von Ihrem Schreibtisch ganz zu schweigen. Unter anderem ist mir ein Schreiben der Baufirma untergekommen, aus dem hervorgeht, dass Sie mit mehreren Plänen im Rückstand sind und es dadurch zu Verzögerungen kommen wird. Haben Sie eine Erklärung dafür?“

Nino spürte Wut in sich aufsteigen, wusste aber, dass Moro zumindest teilweise Recht hatte, und zog es vor, nicht darauf zu antworten.

„Wollen Sie noch länger bei mir arbeiten?“

„Ja!“, antwortete Nino entschlossen.

„Wieso?“

„Weil mir die Arbeit großen Spaß macht und ich bei Ihnen viel lernen kann.“

„Ich weiß nicht, ob Sie das können.“ Er schaute Nino scharf an.

„Es gibt ein neues Projekt: eine Wohnhausanlage. Mit der Planung beginnen wir noch vor Weihnachten. Aus diesem Anlass kommt eine neue Mitarbeiterin dazu, die dieses Projekt leiten wird. Sie werden sie unterstützen. Vielleicht nicht lange. Nur weil Ihr Vater und ich uns kennen, haben sie keine Privilegien zu erwarten. Ist das klar? Nun, Sie können gehen.“

Gekränkt verließ Nino das Zimmer und ging zurück zu seinem Platz im Großraumbüro.

Auch wenn es ihm widerstrebte, Moro hatte in gewissem Sinne Recht. Er ärgerte sich manchmal selbst über sich, seine chaotische­ Arbeitsweise, seine schlechte Organisation. Manchmal erinnerte ihn sein Suchen nach Dokumenten an das Aufstöbern von Oster­eiern in seiner Kindheit; nur hatte das Spaß gemacht, während es ihn heute mehr als einmal verzweifeln ließ. In letzter Zeit war er einfach überfordert. Er fühlte sich manchmal wie ein auf den Rücken gefallener Käfer, der wild strampelte, um wieder hochzukommen, einfach nicht gewohnt, sich so stark Terminen unterzuordnen: Abgabetermine, Besprechungstermine, Präsentationstermine. Ganz anders als im Studium, wo er über seine Zeit zum größten Teil selbst bestimmen konnte.

Nichtsdestotrotz kannte er ebenso seine Stärken – und die lagen eindeutig im fachlichen Bereich. Wie stolz hatten sich seine Eltern gezeigt, als er sein Architekturstudium mit „summa cum laude“ abschloss. Auch wenn er wusste, dass ihm noch viel Erfahrung fehlte.

Als ihm die Sekretärin wieder einige Faxschreiben auf den Schreibtisch legte, wurden seine Gedanken von ihrer quietschenden Stimme unterbrochen: „Hat sich eher einseitig laut angehört, Ihr Gespräch mit dem Chef, oder täusch ich mich?“

„Sie täuschen sich, wie immer!“

„Scheint so, dass wir wohl nicht lange Arbeitskollegen bleiben werden“.

„Wieso, wandern Sie aus?“, konnte es sich Nino nicht verkneifen ihr zu antworten. Sie war die Einzige von den zwölf Arbeitskollegen, mit der er sich nicht verstand, aber das schien auf Gegenseitigkeit zu beruhen.

Nach einem hektischen Arbeitstag und fast leerem Magen, da die Zeit für eine Mittagspause nicht gereicht hatte, machte er sich gegen zwanzig Uhr mit seiner alten roten Vespa auf den Nachhauseweg. Trotzdem verspürte er keinerlei Hungergefühl. Seit er in diesem Büro angefangen hatte, bereitete ihm sein nervöser Magen erheb­liche Probleme. Tausend Dinge fielen ihm auch dieses Mal ein, die er am nächsten Tag erledigen musste. Seinen Mantelkragen hochgeschlagen und seine Haube bis zu den Augenbrauen runtergezogen, spürte er dennoch die Regentropfen im Gesicht. „Passt genau zu meiner Stimmung heute, dieser verregnete dunkle Oktobertag“, sagte er zu sich selbst.

Zu Hause angelangt, begrüßte ihn Anna mit einem Kuss. Anna, seine Freundin, mit der er in einer kleinen Wohnung in der Altstadt von Florenz in der Via della Canonica zur Miete lebte, studierte Kunstgeschichte. Sie erzählte ihm voll Freude von der bestandenen schwierigen Prüfung über das Spätmittelalter, für die er sie in letzter Zeit öfter abgefragt hatte.

„Und wie war dein Tag?“

Erst als sie ihn wegen seiner Unaufmerksamkeit sanft an seinen schwarzen Haaren zog, kehrten seine Gedanken wieder zurück, und er erinnerte sich an ihre Frage. „Ich bekomme ein größeres Projekt und eine neue Arbeitskollegin.“ Von seinem Gespräch mit Moro erzählte er nichts.

Heißt das, dass du demnächst noch später nach Hause kommst?“ Ihre Freude über die erfolgreiche Prüfung war im Nu wie weggeblasen.

„Möglich“.

„Und wann haben wir wieder mehr Zeit für uns? Seit du diese Stelle angenommen hast, erkenn ich dich kaum noch wieder. Du bist nicht mehr so unbeschwert wie früher, redest nur noch von deiner Arbeit, hörst mir nicht mehr zu – ich hab heute die Spätmittelalter-Prüfung geschafft, hast du das mitbekommen?“

„Ja ja, hab ich.“

„Wir hätten beide zu Hause in Siena bleiben sollen, wo ich mein Studium hätte fortsetzen und du im kleinen Architekturbüro deines Vater hättest anfangen können, das wäre sicher besser gewesen!“

„Besser für wen? Eine solch großartige Chance lass ich mir doch nicht entgehen, wenn ich in diesem angesehenen Architekturbüro Erfahrungen sammeln kann. Und sollte ich später einmal das Büro meines Vaters übernehmen, dann habe ich viele Erkenntnisse gewonnen. Kannst du das nicht verstehen?“

„Ich verstehe nur, dass dir an unserer Beziehung immer weniger­ zu liegen scheint“, schrie sie und verschwand ins ­Zimmer, während die Tür mit einem lauten Knall ins Schloss fiel.

 

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